3800 USD!
Nachdem Bitcoin gestern Nachmittag von über 7.000 USD auf unter 5.000 USD gefallen war, erreichte es heute unerwartet ein neues Jahrestief – mit einem 24-Stunden-Rückgang von über 40 %.
Obwohl der Kurs derzeit allmählich wieder steigt und sich bei etwa 5.000 USD stabilisiert hat, bleibt die Marktstimmung äußerst angespannt.
Laut dem Marktreport von „HeYueDi“ (Contract Emperor) betrug das gesamte Liquidationsvolumen im Futures-Markt in den letzten 24 Stunden insgesamt 3,424 Mrd. USD; dabei wurden 122.238 Trader aus ihren Positionen gekickt. Die drei Coins mit den höchsten Liquidationsbeträgen waren BTC (2,487 Mrd. USD), ETH (323 Mio. USD) und BCH (189 Mio. USD).
Zum jetzigen Zeitpunkt ist ETH – abgesehen von Bitcoin – von seinem gestrigen Hoch von 182 USD auf ein Tief von 91 USD gefallen, was einem Rückgang von 50 % entspricht; BCH fiel von seinem gestrigen Hoch von 255 USD auf ein Tief von 133 USD (–47 %); BSV sank von seinem gestrigen Hoch von 181 USD auf ein Tief von 88 USD (–51 %) …
Innerhalb nur eines einzigen Tages schrumpfte die gesamte Marktkapitalisierung des gesamten Kryptomarkts von rund 228 Mrd. USD vor wenigen Tagen auf weniger als 120 Mrd. USD – ein Verlust von fast 100 Mrd. USD, also nahezu eine Halbierung.
Einige pessimistische Marktteilnehmer meinen, dass die Bullenphase endgültig vorbei sei, Bitcoin letztlich auf Null fallen werde und die Branche einer umfassenden Neustrukturierung unterzogen werde; andere hingegen sind optimistisch und glauben, dass nach einem starken Abverkauf zwangsläufig ein starker Aufwärtstrend folgt – und dass Bitcoin 2020 durchaus noch einmal deutlich zulegen könnte.
Was ist die eigentliche Ursache für diesen massiven Bitcoin-Absturz? Wie wird sich der Markt künftig entwickeln? Und welche Auswirkungen wird dies auf die Branche haben?
Um diese Fragen zu klären, befragte DeepChain mehrere Branchenexperten, um gemeinsam die aktuelle Marktentwicklung sowie zukünftige Trends besser zu verstehen.
„Diese Krise hat uns gewarnt“
Liu Changyong, Gründer der Zhimi University
Die Hauptursache für den massiven Bitcoin-Absturz ist die weltweite Wirtschaftskrise und der damit verbundene Liquiditätsengpass.
Seit 2017 sind Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zunehmend in die Mainstream-Finanzwelt eingedrungen und Teil der Anlageportfolios von Wall Street-Investoren geworden. Damit ist ihre frühere Funktion als Absicherung gegen Risiken traditioneller Finanzanlagen verloren gegangen. Stattdessen weisen sie aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung und ihres primär erwartungsgetriebenen Wertfundaments sogar eine höhere Volatilität als herkömmliche Vermögenswerte auf.
Es ist äußerst bedauerlich, dass Kryptowährungen vom rebellischen Jugendlichen, der das traditionelle Finanzsystem herausfordert, zum Spielzeug der traditionellen Finanzwelt geworden sind.
Diese Krise mahnt uns zur Besinnung – wir müssen die Zukunft von Kryptowährungen neu überdenken.
Betrachten Sie die durch Panik ausgelöste Überreaktion sachlich und vermeiden Sie panikbedingten Massenverkauf. Wer nach Investitionsmöglichkeiten sucht, sollte die jeweiligen Eigenschaften und Aussichten verschiedener Krypto-Assets sorgfältig analysieren und rational positionieren.
„Die Insolvenzwelle hat gerade erst begonnen“
Yi Lihua, Gründer von LeDe Capital
Der massive Kursabfall resultiert hauptsächlich aus den allgemeinen makroökonomischen Rahmenbedingungen: Durch die Pandemie stürzten die Aktienmärkte in Europa und den USA ab, wodurch sämtliche Vermögenswerte an Wert verloren – und Bitcoin, als Bestandteil vieler privater Anlageportfolios, folgte diesem Trend zunächst ebenfalls. Zweitens werden viele Anleger zwangsläufig Bargeld benötigen – sei es für den Lebensunterhalt oder zur Begleichung der Stromkosten für Mining-Betriebe. Drittens führte die schwache Kapitalzufluss-Dynamik bei Bitcoin zu einer panikartigen Verkaufswelle.
Dies ist ein echter Schmetterlingseffekt: Die Insolvenzwelle hat gerade erst begonnen – bewahren Sie Ruhe und achten Sie besonders auf Risikomanagement.
Überleben ist das Wichtigste – egal, welches Asset Sie halten: Behalten Sie unbedingt einen Teil Ihres Vermögens in bar! Bar! Bar!
Meiner Ansicht nach wird dieser weitere Absturz zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Branche führen – zahlreiche Unternehmen werden insolvent gehen, darunter Miner, die meisten mittelgroßen und kleinen Börsen, Projekte sowie externe Dienstleister und Medien.
„Ein dreistelliger Bitcoin-Preis ist tatsächlich sehr attraktiv“
Shi Da Ye, CMO von BibiCoin
Dieser epische Markttrend hat mich völlig überrascht.
Meiner Einschätzung nach gibt es zwei zentrale Gründe für diesen Absturz:
1. Die globale Konjunktur leidet unter der Pandemie und der Ölkrise – und da Bitcoin als bedeutende Rohstoffklasse gilt, wird auch er davon negativ beeinflusst.
2. Technisch betrachtet folgt jeder größere Abwärtstrend typischerweise einer Dreier-Welle – wobei die dritte Welle meist die stärkste und gefährlichste ist.
Zudem halte ich einen weiteren massiven Absturz kurzfristig für äußerst unwahrscheinlich. Nach einer solchen epischen Marktbewegung brauchen alle Marktteilnehmer eine Pause – die Bullen müssen ihr Vertrauen neu aufbauen, während die Bears Zeit benötigen, um ihre Erfolge zu verarbeiten.
Der Boden entsteht nicht durch Rufe, sondern durch die tatsächliche Marktbewegung.
Ich empfehle, langsam und schrittweise Long-Positionen im Spot-Markt aufzubauen – denn ein dreistelliger Bitcoin-Preis sowie ähnliche Preise bei anderen Mainstream-Coins sind tatsächlich sehr attraktiv.
Für die breite Nutzerschaft gilt: „Wenn andere Angst haben, bin ich gierig; wenn andere gierig sind, habe ich Angst.“ Dieser Grundsatz ist in jedem Anlagebereich gültig.
Erinnern Sie sich an Dezember 2017 oder an vor einem Monat – damals waren alle voller Zuversicht und glaubten fest daran, dass Bitcoin neue Allzeithochs erreichen würde. Heute herrscht wieder Panik. Der Handel prüft letztlich immer die menschliche Natur.
Als Branchenakteur betrachte ich stets die Dinge aus einer Coin-basierten Perspektive und verlängere den zeitlichen Horizont. Die deflationäre Natur von Bitcoin sowie seine besondere Gütereigenschaft garantieren, dass sein Wert definitiv nicht bei 6.000 USD liegen wird.
Denn Blockchain kommt ohne Token nicht aus – und ganz besonders nicht ohne Bitcoin.
„Derzeit zeigt der Chart noch keine Anzeichen einer Stabilisierung“
Krypto-Analyst Kui Dong
Bitcoin gehört zu den liquiden Vermögenswerten – das heißt, sobald Menschen in der realen Welt starke Panik verspüren, greifen sie zur Bargeldbeschaffung als Absicherungsmaßnahme.
Im Gegensatz zu Gold bietet Bitcoin keine Absicherung gegen Schwankungen anderer Vermögenswerte. Sein Wert entsteht erst dann, wenn es zu systemweiten Bankenzusammenbrüchen oder zum Zusammenbruch des Fiat-Geldsystems kommt. Nach der Finanzkrise 2008 haben Banken jedoch ihre Risikosteuerung deutlich verbessert. Bei massiver Panik hingegen kommt es stets zu Verkaufswellen – auch bei liquiden Vermögenswerten wie Bitcoin.
Während dieses Absturzes spielten nicht nur die anfänglichen Verkäufe großer Whale-Wallets eine entscheidende Rolle, sondern auch Anleger, die mit Kryptowährungen als Sicherheit Kredite aufnehmen oder quantitative Strategien verfolgen, trugen durch ihre Liquidationen weiter zur Verschärfung des Abwärtstrends bei. Da der kurzfristige Kursverfall einen beispiellosen Wertverlust zur Folge hatte, wurden zahlreiche Sicherheiten zwangsliquidieret – sogar einige DeFi-Projekte gerieten nach diesem Absturz in schwere Schuldenprobleme, was langfristig einen schweren Schlag für die gesamte Branche darstellt.
Was den zukünftigen Marktverlauf betrifft: Meiner Ansicht nach zeigt der aktuelle Chart noch keinerlei Anzeichen einer Stabilisierung. Aufgrund der knappen Datenlage lässt sich der genaue Bereich des Tiefpunkts derzeit nicht bestimmen. Die beste Strategie besteht daher darin, entweder Hedging-Positionen zu halten oder vollständig aus dem Markt auszusteigen und abzuwarten, bis sich ein klares Stabilisierungssignal abzeichnet, bevor man vorsichtig neue Long-Positionen aufbaut.
Für die Branche stellt diese Situation jedoch eine hervorragende neue Chance dar: Sowohl im Bergbau-Sektor als auch bei Börsen, Wallet-Anbietern und Fondsunternehmen wird es zu einer umfassenden Neustrukturierung kommen. Das bedeutet, dass sich das Vermögen neu verteilt – Unternehmen oder Einzelpersonen, die wir heute noch nicht kennen, könnten beim nächsten Aufschwung der Branche zu neuen Stars werden. Die Aufgabe aller Branchenakteure besteht nun darin, unter diesen Bedingungen zu überleben und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie sich optimal auf die nächsten zehn Jahre vorbereiten.
„Kürzlich bestand eine Korrelation zwischen Bitcoin und dem US-Aktienmarkt“
Bi Laoye, Gründer des unabhängigen Medienkanals „Bi Laoye“
Ursprünglich nahm ich an, dass der gestrige massive Kurssturz hauptsächlich durch eine Kettenreaktion von Margin-Call-Liquidationen ausgelöst wurde. Betrachtet man die vorherige Seitwärtsbewegung, so lag der Durchschnittspreis der frühesten Long-Positionen am Markt bei rund 7.000 USD. Ein Rückgang um 10 % hätte bereits Teile der ungesicherten Long-Positionen getroffen; ein weiterer Rückgang um weitere 10 % hätte dann die Mehrheit der Long-Positionen mit erhöhter Margin betroffen. Daher schätzte ich den Bitcoin-Preis von etwa 5.550 USD als plausibel ein.
Doch die heutige Marktlage deutet eher darauf hin, dass große Kapitalanleger aus dem Kryptobereich infolge eines Zusammenbruchs ihrer Hebelpositionen am US-Aktienmarkt gezwungen waren, Bitcoin kostengleich zu verkaufen. Aus Sicht der Verkaufsstrategie ist es üblicherweise effizienter, während einer Volatilitätsphase mit anschließendem Erholungsversuch zu verkaufen – dieser abrupte Absturz legt jedoch nahe, dass selbst die Marktmacher in Panik geraten sind.
Meiner Ansicht nach besteht in jüngster Zeit tatsächlich eine klare Korrelation zwischen Bitcoin und dem US-Aktienmarkt.
Wenn Bitcoin als Leitindex des Kryptomarktes fungiert, dann repräsentiert der US-Aktienmarkt den globalen Risikoaktienindex.
Derzeit befindet sich der US-Aktienmarkt in einem massiven Crash. Solange der US-Aktienmarkt nicht stabilisiert ist oder die Rettungsmaßnahmen der US-Notenbank (Fed) keine stimulierende Wirkung zeigen, wird Bitcoin diesen Trend wahrscheinlich weiterhin begleiten – bis schließlich ein Gleichgewicht zwischen Bullen und Bären erreicht ist, vergleichbar mit dem Niveau von rund 3.000 USD Ende 2018.
Ich halte es für sinnvoll, nach einer Stabilisierung des Absturzes eine kurzfristige „Rallye-Abfang-Strategie“ einzusetzen – beispielsweise bei Auftreten einer langen unteren Kerzenwickel („long lower shadow“), gefolgt von einer starken Umkehrkerze mit hohem Volumen und anschließend mehreren grünen Kerzen.
Dennoch bleibe ich der Ansicht, dass der genaue Tiefpunkt äußerst schwer zu bestimmen ist.
Wir haben Bitcoin bereits zu noch niedrigeren Preisen erlebt – doch ein derart schneller Preisverfall innerhalb so kurzer Zeit ist äußerst selten.
Dieser Absturz wird zur Ausschaltung zahlreicher älterer Mining-Geräte führen sowie zu massiven Liquidationen im DeFi-Bereich. Der Kryptomarkt wird jedoch weiterbestehen. Ein Teil der Großinvestoren wird den Markt verlassen, doch neue Kapitalquellen werden eintreten, um am Markt teilzunehmen. Letztlich könnte es erneut zu einer längeren Konsolidierungsphase wie 2019 kommen.
Zudem halte ich es für verfrüht, Mainstream-Coins zu kaufen, solange der Wechselkurs zwischen Bitcoin und anderen Top-Tokens noch nicht ausreichend korrigiert wurde – insbesondere nach einem so tiefen Absturz.
Bitcoin bzw. Kryptowährungen besitzen theoretisch das Potenzial, Finanzkrisen zu beenden – allerdings fehlen dafür derzeit noch die notwendigen Voraussetzungen: Eine breitere Akzeptanz, ein höherer Marktwert und eine stärkere Liquidität sind erforderlich.
Im Hinblick auf den Kryptomarkt selbst handelt es sich um einen wild wachsenden Markt, in dem Marktmacher jederzeit kaufen oder verkaufen können – sie schaffen ebenso Vermögen wie sie es vernichten. Damit ist dieser Markt ein wahres Paradies für Spekulanten – eine Eigenschaft, die ihn im Vergleich zum stark regulierten chinesischen Aktienmarkt (A-Share-Markt) deutlich überlegen macht. Auch gegenüber dem US-Aktienmarkt bietet der Kryptomarkt eigene Vorteile. Ich bin daher überzeugt, dass er auch künftig weitere Marktteilnehmer anziehen wird.
„China wird künftig der bevorzugte Zufluchtsort für Kapital sein“
Zhang Hongbin, Gründer von Denghuo Capital
Als Bitcoin bei 7.500 USD stand, habe ich etwas Spot-Bitcoin gekauft – und war sofort im Minus. Der Grund war einfach die völlige Unerwartetheit dieses Markttrends.
Derzeit halte ich im Kryptobereich nur noch sehr geringe Positionen und sehe die Zukunft des chinesischen Aktienmarktes (A-Share-Markt) positiver.
Meiner Ansicht nach liegt die Ursache dieses Absturzes letztlich in der weltweiten Finanzkrise: Investoren verkaufen ihre Vermögenswerte, um liquide Mittel zurückzuhalten.
Nicht nur der Kryptomarkt, sondern der gesamte Finanzmarkt – inklusive des US-Aktienmarktes – befindet sich im Abwärtstrend.
Möglicherweise entwickelt sich der A-Share-Markt etwas robuster – persönlich glaube ich, dass China künftig der bevorzugte Zufluchtsort für Kapital sein wird.
„Vermeiden Sie Altcoins“
Da Shouzi, erfahrener Trader und Krypto-Derivate-Trader
Derzeit ist das globale Finanzumfeld insgesamt negativ: Der US-Aktienmarkt hat bereits zweimal den Handel unterbrochen („circuit breaker“), zusätzlich verstärken die weltweiten Auswirkungen der Pandemie die Unsicherheit. Kurzfristig ist daher die Bitcoin-Entwicklung wenig optimistisch.
Die jüngsten kontinuierlichen Abstürze haben den Bitcoin-Kurs fast halbiert; gestern Nacht fiel der Kurs sogar um über 30 %. In der Nacht zum heutigen Tag setzte ein weiterer starker Absturz ein, während Altcoins neue Tiefststände erreichten – diese Situation dürfte selbst die berüchtigte „94-Regulierung“ in China übertreffen.
Beim Versuch, den Tiefpunkt zu kaufen („bottom-fishing“), ist höchste Vorsicht geboten: Obwohl es keinen absoluten, sondern nur einen relativen Tiefpunkt gibt, bleibt diese Phase äußerst riskant – ein steiler V-förmiger Erholungskurs ist kurzfristig kaum wahrscheinlich.
Persönlich empfehle ich dringend, Altcoins zu meiden. Selbst während der beiden jüngsten kleinen Aufwärtstrends konnten Altcoins nicht mithalten. Stattdessen könnte man erwägen, Mainstream-Coins zu kaufen – allerdings spielt auch hier der richtige Zeitpunkt eine entscheidende Rolle.
Ein echter Tiefpunkt erfordert den Aufbau neuer Positionen durch viele Marktteilnehmer – einschließlich der Market-Maker. Daher ist es auch dann noch nicht zu spät, zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt könnten beispielsweise ETH, EOS oder BCH schrittweise und in Tranchen gekauft werden.
Zu den Auswirkungen des Absturzes:
Meiner Ansicht nach leiden zunächst einmal die meisten Trader: Bei einem solchen Absturz verlieren die meisten Marktteilnehmer Geld. Ohne finanzielle Anreize ziehen sich die meisten von ihnen vom Markt zurück.
Zweitens leiden die Börsen: Mit dem Rückzug der Nutzer und dem sinkenden Interesse an Kryptowährungen schrumpfen deren Einnahmen rapide – kleinere Börsen könnten diesen Absturz möglicherweise nicht überleben.
Schließlich stehen auch Blockchain-bezogene Institutionen und Unternehmen vor einer möglichen „Winterperiode“. Derzeit sieht es für den gesamten Kryptomarkt insgesamt düster aus.
Hinweis: Dieser Artikel spiegelt ausschließlich die persönliche Meinung der Interviewten wider und stellt keine Anlageberatung dar. Der Kryptomarkt birgt Risiken – Investitionen erfolgen auf eigene Gefahr.
