太阳底下没有新鲜事,过去百年投资大佬发家史

Es gibt nichts Neues unter der Sonne – Die Erfolgsgeschichte berühmter Investoren der letzten hundert Jahre

BroadChainBroadChain23.01.2020, 16:58
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Zusammenfassung

Ist es realistisch, durch Aktienhandel reich zu werden?

Quelle: Junlin

Kürzlich stellte ein Leser Junlin eine verwirrte Frage:

„Im vergangenen Jahr befand sich der chinesische Aktienmarkt (A-Share-Markt) in einer Baisse – die meisten meiner Aktien halbierten ihren Wert, und ich verlor so viel Geld, dass mir übel wurde …“

„Ist es wirklich realistisch, als gewöhnlicher Mensch wie ich durch Aktienhandel zu Reichtum zu gelangen?“

Ich dachte lange darüber nach und merkte, dass diese Frage nicht mit ein paar Sätzen zu beantworten ist. Vielleicht hilft Ihnen stattdessen die vollständige Geschichte eines erfolgreichen Börsen-Gurus bei seiner Karriere.

1

Blicken wir zurück auf vor über hundert Jahren.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Zustand des US-Aktienmarktes etwa vergleichbar mit dem heutigen chinesischen Markt.

Die Wirtschaft war im Aufschwung, die USA entwickelten sich zu einer zukünftigen Supermacht; sämtliche Vermögenswerte stiegen in ihrem Wert an – ob Immobilien, Aktien oder Spekulationen aller Art: Jeder verdiente große Gewinne.

Diese Ära wurde als „Gilded Age“ („Ära des vergoldeten Zeitalters“) bezeichnet.

Der damalige Aktienmarkt war von Finanzoligarchen und illegalen Market-Makern kontrolliert, äußerst volatil und chaotisch.

Der berühmteste Finanzoligarch war J. P. Morgan.

Er erzielte seinen ersten Gewinn mit einem Kaffeegeschäft und gründete anschließend die Morgan Bank. Im Jahr 1873 besiegte er die europäische Rothschild-Familie und gewann einen beispiellosen staatlichen Großauftrag zur Emission von Staatsanleihen – damit begann sein Aufstieg.

Um das Jahr 1900 herum schloss die Morgan Group mehrere historische Transaktionen ab: So fusionierte sie mehrere Elektrizitätsunternehmen – darunter auch die Firma des Erfinders Thomas Edison – zur General Electric Company (GE). Außerdem reorganisierte sie zahlreiche Stahlunternehmen – darunter auch die Firma des Stahlmagnaten Andrew Carnegie – zur United States Steel Corporation.

Bis zum Jahr 1912 kontrollierte die Morgan Group ein Drittel der Bankvermögen, zwei Drittel der Versicherungsvermögen, zwei Drittel der Eisenbahnvermögen und ein Viertel der Industrievermögen in den USA.

Der berühmteste Market-Maker war Jay Gould.

Er begann seine Karriere als einfacher Vermessungstechniker und stieg später zum Geschäftsführer einer amerikanischen Eisenbahngesellschaft auf.

Während seiner Amtszeit bestach dieser Herr zahlreiche Regierungsabgeordnete massiv, brachte sein Unternehmen durch Bilanzfälschung an die Börse, schürte Spekulationsstimmung rund um bestimmte Konzepte, führte Kapitalerhöhungen zu überhöhten Aktienkursen durch, verkaufte anschließend seine eigenen Aktien zur Gewinnrealisierung, löste weitverbreitete Panik aus und drückte den Kurs gezielt, um dann günstig wieder einzusteigen – auf diese Weise erzielte er ein gewaltiges Vermögen.

So stammt beispielsweise der Begriff „Schwarzer Freitag“ aus einer von Gould orchestrierten Paniksituation.

In jener chaotischen Zeit gab es zahllose Finanzoligarchen wie Morgan oder die Rockefeller-Gruppe sowie illegale Börsenspekulanten und Schädlinge wie Gould.

Die Börsen jener Zeit waren von extremen Kursschwankungen geprägt; der Aktienkurs schien keinerlei Bezug zum tatsächlichen Unternehmenswert zu haben.

Daher glich die Börse einem Kasino: Manche wurden über Nacht zu Millionären, andere konnten innerhalb einer Nacht ihr gesamtes Vermögen verlieren – bis hin zu schweren Schulden.

Man konnte niemals vorhersagen, ob der Aktienkurs am nächsten Tag steigen oder fallen würde.

Zwei junge Männer jedoch schafften genau das: Sie erlangten rasch an der Börse Berühmtheit und wurden als die „Aktiengötter“ ihrer Zeit gefeiert.

Diese beiden Männer waren Jesse Livermore (1877–1940) und William D. Gann (1878–1955).

Beide kamen aus ärmlichen Verhältnissen und erhielten früh eine Stelle als Makler bei einer Wertpapierfirma, wo sie Kunden beim Handel mit Aktien unterstützten.

Livermore wurde bereits früh berühmt: Mit 15 Jahren begann er seine Karriere und investierte seinen gesamten Lohn in die Börse – damals betrug sein Monatsgehalt lediglich 20 US-Dollar.

Das war jedoch kein Hindernis: Aufgrund seines außergewöhnlichen Talents war er äußerst sensibel für Zahlen und Preisbewegungen. Durch präzise Investitionen im Aufwärtstrend und Hebelwirkung vermehrte er sein Startkapital innerhalb eines Jahres auf 10.000 US-Dollar.

Dieser Erfolg hielt jedoch nicht lange an: In der folgenden Baisse erlitt Livermore massive Kursverluste, sodass sein Vermögen nahezu auf Null sank.

Doch ein junger Mann lässt sich durch eine einzige Niederlage nicht entmutigen – er betrachtete sie lediglich als Pech.

Im Jahr 1901 erlebte der US-Aktienmarkt erneut einen Aufschwung. Livermore lieh sich 5.000 US-Dollar und kehrte an die Börse zurück – bald darauf hatte er bereits 50.000 US-Dollar verdient.

In den folgenden Jahren wuchs sein Vermögen kontinuierlich – mit 31 Jahren belief sich sein Gesamtvermögen bereits auf 5 Millionen US-Dollar.

5 Millionen US-Dollar entsprachen damals etwa dem heutigen Status eines Milliardärs.

Laut Boulevardzeitungen jener Zeit lebte Livermore nach seinem Reichtum äußerst luxuriös: Er kaufte sich eine Villa in Manhattan, einen Yacht und besuchte exklusive Clubs in New York; zudem hatte er unzählige Geliebte.

Sein Vorbild war Morgan.

Allerdings schien ihm Morgans Glück nicht vergönnt zu sein.

Einige Jahre später geriet er erneut in finanzielle Schwierigkeiten und verlor sein gesamtes Vermögen.

Dieser Misserfolg bereitete ihm große Schmerzen und ließ ihn an seinem Lebensweg zweifeln. Gleichzeitig jedoch stieg ein anderer Stern am Finanzhimmel auf.

Dieser Mann war Gann.

Gann war ein Jahr jünger als Livermore, betrat aber erst zehn Jahre später den Aktienmarkt.

Er erlangte auch später Bekanntheit: Erst im Jahr 1908, im Alter von 30 Jahren, wurde Gann an der Wall Street allgemein bekannt.

Im Gegensatz zu Livermores starken Fähigkeiten im Handel, seinem feinen Gespür für Markttrends und seinem mutigen, risikoreichen Stil war Gann vor allem ein hervorragender Forscher – der eigentliche Begründer der technischen Analyse.

Er war überzeugt, dass Aktienkurse keineswegs chaotisch seien, sondern prognostizierbar.

Jede Aktie besitzt eine individuelle Volatilität, die die Kursbewegungen bestimmt. Durch die Analyse historischer Kursverläufe unter Einbeziehung mathematischer und geometrischer Modelle entwickelte er eine Reihe von Theorien zur technischen Analyse.

Zu diesen Theorien zählen beispielsweise das „Volatility Law“, die „Gann Angle Lines“, das „Gann Square“ sowie das „Gann Hexagon“.

Da damals gerade eine Hausse herrschte, nutzten Anleger seine technischen Theorien zur Orientierung bei Kauf- und Verkaufsentscheidungen – angeblich mit einer außerordentlich hohen Trefferquote. Die Medienberichterstattung nahm daraufhin rasch Fahrt auf.

Die Medien beschrieben Gann damals folgendermaßen:

„Er ist unglaublich gut: Es gibt Berichte, wonach er aus 130 US-Dollar 12.000 US-Dollar gemacht hat; seine Erfolgsquote bei Trades soll über 90 % betragen – eine solche legendäre Methodik zum Aktienhandel war bis dahin einzigartig auf den Finanzmärkten!“

Durch die mediale Aufmerksamkeit erschienen nacheinander zahlreiche Bücher von Gann, darunter „The Truth of the Stock Tape“, „Wall Street Stock Selector“, „Gann’s Investment Philosophy“ und „Forty-Five Years in Wall Street“ …

Während seines Lebens veröffentlichte Gann Dutzende Bücher – jedes davon verkaufte sich mehr als 100.000-mal.

Als aufstrebende Ikone an der Börse zog er zahlreiche Bewunderer an – darunter auch Jesse Livermore.

Die beiden trafen sich mehrmals und bewunderten gegenseitig die jeweiligen Erfolge und den Ruf des anderen. Aufgrund unterschiedlicher Ansichten konnten sie jedoch letztlich nicht zusammenarbeiten.

Wo lagen ihre Unterschiede?

Gann war von Haus aus Theoretiker. Zwei zentrale Säulen seiner Theorie lauten:

Erstens: Der Aktienmarkt folgt zyklischen, langfristigen Trends; man sollte daher stets „mit dem Trend“ handeln und niemals gegen ihn.

Innerhalb dieser übergeordneten Trends gibt es kleinere Unter-Trends. Indem man die Wahrscheinlichkeiten nutzt, die sich aus historischen Kursbewegungen ergeben, kann man schrittweise Gewinne ansammeln – kleine Erfolge summieren sich zu großem Reichtum.

Zweitens: Um langfristig am Aktienmarkt Gewinn zu erzielen, muss man Verlustbegrenzung („Stop-Loss“) beherrschen.

Man muss die Verlustschwelle sorgfältig festlegen und bei Überschreitung unverzüglich aussteigen – ohne sich durch Sentiment oder Hoffnung beeinflussen zu lassen.

Nur so bleibt das Kapital erhalten – und damit die Chance auf eine spätere Wiedergutmachung.

Gann hielt Livermore für zu gierig: Dieser strebe ausschließlich nach großen Gewinnen und setze dabei massiv Hebel ein – was leicht zu schweren Rückschlägen führen könne.

Livermore hingegen war ein Praktiker. Die theoretische Vorstellung, durch kurzfristiges „Buy Low, Sell High“ in volatilen Märkten schrittweise Gewinne anzuhäufen, ließ ihn völlig kalt.

Seiner Ansicht nach lassen sich große Gewinne nicht durch kurzfristige Kursausschläge erzielen, sondern nur durch bedeutende, langfristige Bewegungen. Mit anderen Worten: Man darf sich nicht auf einzelne Schwankungen konzentrieren, sondern muss vielmehr den übergeordneten Trend eines Einzeltitels sowie die Gesamtlage des gesamten Marktes beurteilen.

Alles auf eine Karte setzen.

Das heißt: Obwohl Livermore ebenfalls ein Spekulant war, verfolgte er niemals einen kurzfristigen „In-and-Out“-Handelsansatz. Er war überzeugt, dass je häufiger man handelt, desto größer die Wahrscheinlichkeit von Fehlern und damit von Misserfolgen sei.

Stattdessen glaubte er, dass man nur dann große Gewinne erzielen könne, wenn man entscheidende Chancen identifiziert, die Trefferquote maximiert und dann – unter Einsatz von Hebelwirkung – mutig zugreift.

Die Fähigkeit, solche langfristigen Trends korrekt einzuschätzen, beruht weniger auf mathematischen Modellen als vielmehr auf einem feinen Gespür für die aktuelle „Marktstimmung“.

Mathematische Wahrscheinlichkeiten oder geometrische Chartmuster hielt er dagegen für bloße Illusionen – und für völlig unzuverlässig.

Mit anderen Worten: Obwohl beide berühmte Trend-Spekulanten waren, unterschieden sich ihre Spekulationsstile grundlegend:

Der eine war konservativ veranlagt und strebte nach schrittweiser Akkumulation – er verkaufte hoch und kaufte niedrig innerhalb kleinerer Zyklen und baute sein Vermögen mithilfe mathematischer Wahrscheinlichkeiten wie eine Schneeballschicht auf;

der andere war aggressiv veranlagt und strebte nach einem entscheidenden Erfolg – er nutzte Hebelwirkung während großer zyklischer Schwankungen und verließ sich dabei auf sein Talent und seine Erfahrung.

Ungeachtet ihrer tiefgreifenden Unterschiede in der Denkweise wurden beide jedoch während des außergewöhnlichen Bullenmarkts der 1920er Jahre zu Lebensgewinnern, erzielten enorme Gewinne und wurden fortan als Legenden verehrt.

2

Ganns Bücher wurden zunehmend erfolgreicher, und seine persönlichen Schulungskurse kosteten damals 5.000 US-Dollar.

Die damaligen 5.000 US-Dollar entsprechen heute etwa 500.000 RMB – ein Preis, der die enorme Popularität seiner Kurse unterstreicht.

Livermore lieh sich Geld von Dritten und erlebte zum dritten Mal sein Comeback; sein Vermögen stieg daraufhin auf mehrere Millionen US-Dollar an, wodurch er es unter die Top-500-Reichen schaffte.

Im Jahr 1923 interviewte ein Autor Livermore und veröffentlichte auf Basis dessen außergewöhnlicher Lebensgeschichte – mit ihren drei Aufstiegen und drei Fallgruben – das äußerst erfolgreiche Buch „Reminiscences of a Stock Operator“ (dt. „Erinnerungen eines Börsenspekulanten“).

Dieses Buch machte Livermore ebenso legendär wie Gann.

Im Jahr 1929 erreichte der Aktienmarkt eine Phase extremer Euphorie: Geld strömte aus allen Ecken der Welt nach Wall Street; Privatanleger investierten ihr gesamtes Gehalt und ihre Altersvorsorge in Aktien; selbst Straßenverkäufer und Gemüsehändlerinnen diskutierten über den Aktienmarkt.

Livermore erkannte, dass sich die Krise immer weiter anbahnte. Seine außergewöhnliche Sensibilität für langfristige Trends veranlasste ihn, seine Position umzukehren und Leerverkäufe einzugehen.

Er durchforstete sorgfältig verschiedene Finanzzeitungen, um Nachrichten zu finden, die auf eine Verlangsamung der Konjunktur, Überkapazitäten oder Änderungen der Geldpolitik hindeuteten – um seine Entscheidung zu untermauern.

Er war überzeugt, dass der seit zehn Jahren andauernde Boom unweigerlich in eine Trendwende münden würde – es galt lediglich, den Auslöser dafür zu identifizieren. Bei einer richtigen Wette würde er zu einem der reichsten Menschen der Welt werden.

Im September 1929 zeigte sich das erste Signal.

In Großbritannien kam es zu einem großen Finanzbetrug; um die Märkte zu stabilisieren, plante die britische Zentralbank eine Zinserhöhung – und die US-amerikanische Federal Reserve Bank war sehr wahrscheinlich bereit, diesem Schritt zu folgen.

Wenn die Zinssätze der Banken steigen, verlangsamt sich zwangsläufig die industrielle Produktion, das Kapital am Aktienmarkt schrumpft, und die spekulative Blase könnte leicht platzen.

Jesse Livermore erkannte diese Gelegenheit und setzte sein gesamtes Vermögen auf eine Leerverkaufsposition.

In den darauf folgenden ein bis zwei Monaten brach tatsächlich eine beispiellose Finanzkrise über den US-Aktienmarkt herein – zahllose Trader gingen über Nacht bankrott.

Livermore hingegen verdiente bei diesem Handel 100 Millionen US-Dollar und zählte fortan zu den reichsten Menschen der Welt.

Die Finanzkrise von 1929 war das bedeutendste Ereignis des 20. Jahrhunderts: Sie veränderte nicht nur die globale Wirtschaftsordnung, sondern löste auch den Zweiten Weltkrieg aus, führte zum Zusammenbruch des Britischen Empires und zum Niedergang Europas, verursachte politische Unruhen in rückständigen Regionen und trieb sie zunehmend nach links – und prägte zudem die gesamte moderne Finanzgeschichte.

Zunächst auf politischer Ebene: Regierungen weltweit begannen, die freie Marktwirtschaft stärker zu regulieren und kontrazyklische Maßnahmen einzuführen – etwa durch massive Infrastrukturinvestitionen, Zoll- und Handelskonkurrenz sowie Förderung des technologischen Fortschritts.

1934 wurde die US-amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) gegründet, die sämtliche börsennotierten Unternehmen zur Veröffentlichung vollständiger und glaubwürdiger Finanzberichte verpflichtete und Wertpapierbetrug sowie Marktmanipulation hart bestrafte.

Im selben Jahr geriet Jesse Livermore, der „König der Spekulanten“, erneut in eine finanzielle Krise und ging bankrott; wenige Jahre später nahm er sich mit einer Schusswaffe das Leben.

In seinem Abschiedsbrief stand: „Mein Leben war ein einziger Misserfolg.“

Während die Börsenkrise andauerte, verlor Ganns Investitionsansatz an Wirksamkeit, und seine Bücher verkauften sich zunehmend schlechter.

1955 starb Gann im Alter von 78 Jahren; sein Erbe belief sich lediglich auf etwas mehr als 100.000 US-Dollar – vergleichbar mit dem Vermögen einer durchschnittlichen amerikanischen Mittelschichtfamilie.

Damit war eine Ära zu Ende gegangen.

Seitdem traten technisch orientierte Trend-Spekulanten aus der zentralen Position der Investmentwelt zurück – es entstand kein herausragender Vertreter dieser Denkschule mehr.

Während der großen Baisse von 1929 jedoch wandten sich einige schwer getroffene Anleger von ihren alten Ansätzen ab und erlebten eine tiefgreifende Erkenntnis.

Sie legten ihre traditionelle, wellenorientierte technische Analyse ab und widmeten sich stattdessen einer wissenschaftlichen Untersuchung des inneren Wertes börsennotierter Unternehmen – damit eröffneten sie den Weg zu einer wissenschaftlichen Anlagephilosophie.

Wenn man Ganns technische Theorien mit der Astrologie der Urzeit vergleichen könnte, dann entspräche Livermores strategisches Geschick dem Heer des Mongolischen Reiches.

In der Folge traten nacheinander die Kopernikus, Darwin und Newton der Investmentwelt auf den Plan.

Sie alle waren einst Opfer der Großen Depression.

Der Erste war Benjamin Graham (1894–1976), ein Mann mit einem von Widrigkeiten geprägten Leben.

Mencius sagte: „Wenn der Himmel einer Person eine große Aufgabe zuweisen will, wird er zunächst ihren Geist prüfen, ihre Muskeln und Knochen strapazieren, ihren Körper hungern lassen, ihn entkräftet zurücklassen und ihr Tun durcheinanderbringen – all dies geschieht, um ihren Willen zu stählen und ihre Fähigkeiten zu erweitern.“

Graham verkörpert diese Worte nahezu perfekt.

Im Alter von einem Jahr zogen seine Eltern aus Europa in die USA, um Arbeit zu suchen, und lebten als Fremde im Ausland;

mit neun Jahren starb sein Vater, wodurch die Familie ihre Einkommensquelle verlor und noch ärmer wurde;

mit vierzehn Jahren scheiterte seine Mutter beim Aktienhandel und hinterließ das Familienvermögen völlig erschöpft;

mit dreiundzwanzig Jahren verlor er bei seinem ersten Versuch, für einen Kunden ein Aktienkonto zu verwalten, dessen gesamtes Kapital – das Konto wurde daraufhin eingefroren;

mit dreißig Jahren musste er seinen ersten Private-Equity-Fonds aufgrund von Konflikten mit den Aktionären auflösen;

mit sechsunddreißig Jahren stand seine erneut gegründete Investmentgesellschaft während der Finanzkrise von 1929 kurz vor dem Bankrott, und sein gesamtes Lebensersparnis ging verloren.

Doch das Leid brach Graham nicht. In tiefgründiger Selbstreflexion reifte er heran und verfasste in diesen dunklen Jahren bahnbrechende Werke wie „Security Analysis“ und „The Intelligent Investor“, wodurch er sich als „Newton“ der fundamentalen Anlagephilosophie etablierte.

Im Alter hielt Graham Vorlesungen an der Columbia University und bildete zahllose Schüler aus. Seine Lehren wirkten wie eine Fackel, die unzähligen Nachfolgern den Weg zur wissenschaftlichen Investition eröffnete.

Was aber ist Grahams zentrale Denkweise?

Zwei Punkte:

Erstens: Wert legen auf die Sicherheitsmarge.

Da er durch die Turbulenzen an der Börse schwer verletzt worden war, stellte er das Risikomanagement an die erste Stelle seiner Investitionsstrategie und forderte absolute Sicherheit.

Daher verlangte er eine ausreichend niedrige Bewertung und kaufte ausschließlich sogenannte „Stumpfaktien“ („Cigar Butt Stocks“), bei denen kein weiterer Kursverfall mehr möglich schien.

Zweitens: Betonung der Finanzanalyse.

Er führte eine quantitative Analyse der Vermögenswerte, Einnahmen, Gewinne, Verbindlichkeiten und zukünftigen Ertragsprognosen jedes börsennotierten Unternehmens durch, um dessen inneren Wert zu bestimmen und die Investitionsmöglichkeit einzuschätzen.

Alles wurde allein auf Grundlage von Daten entschieden – Spekulationen, Gerüchte und impulsive Entscheidungen wurden strikt vermieden.

Zu den bekannten Investmentprofis unter Benjamin Graham’s Schülern zählen Irving Kahn, Walter Schloss und Seth Klarman.

Der bekannteste unter ihnen ist zweifellos Warren Buffett.

3

Buffett teilt mit den meisten Chinesen eine sehr ähnliche Kindheit.

Er wurde in Omaha, einer kleineren Stadt der dritten Klasse im Landesinneren der USA, geboren. Sein Großvater betrieb ein Lebensmittelgeschäft, sein Vater war Bankangestellter – eine durchaus gewöhnliche Herkunft.

Das war das Jahr 1930, mitten in der Großen Depression – Banken brachen zusammen, und auch Buffetts Vater verlor seinen Arbeitsplatz.

Um zur Familieneinkommensverbesserung beizutragen, begann Buffett bereits im Alter von sechs Jahren damit, Kaugummi und Cola zu Großhandelspreisen zu kaufen und sie auf der Straße zu verkaufen; mit dreizehn Jahren begann er, Zeitungen zu verkaufen.

Während seiner High-School-Zeit kaufte Buffett mehrere gebrauchte Flipperautomaten und stellte sie in Friseursalons auf, wobei er mit den Salonbesitzern die Einnahmen zu gleichen Teilen teilte.

Dieses Geschäft ähnelt heutigen Claw-Machine-Automaten in Einkaufszentren oder Spielautomaten in Casinos: Es verspricht hohe Renditen mit geringem Kapitaleinsatz, doch die Markteintrittsbarrieren sind ebenfalls sehr niedrig.

Ohne besondere Wendung hätte Buffett wohl den Weg eines kleinen Unternehmers eingeschlagen und sich auf diese Weise zum Wohlstand gearbeitet.

Doch es kam doch zu einer unerwarteten Wendung: Bereits während seiner Schulzeit begann der junge Buffett, sich intensiv für Aktien zu interessieren – und machte dies zu seiner lebenslangen Berufung.

Diese Entscheidung resultierte aus Warren Buffetts Überlegungen:

Als Kind verkaufte er Kaugummi und Cola von Tür zu Tür – ein körperlich anstrengendes Geschäft mit extrem geringer Gewinnmarge, bei dem es äußerst schwierig war, viel Geld zu verdienen.

Später betrieb er Flipperautomaten – ein scheinbar entspannteres Geschäft mit höheren Margen; doch im Kern handelte es sich um ein kapitalintensives Geschäft.

Zu Beginn entdeckte man eine Geschäftsmöglichkeit und profitierte von Informationsvorteilen – man konnte also durchaus etwas Geld verdienen.

Doch sobald Konkurrenten in den Markt eindrangen, stiegen die Mietkosten rapide an – am Ende zählte allein, wer über mehr Kapital verfügte.

Offensichtlich verfügte Buffett nicht über solche finanziellen Mittel – daher blieb auch hier der Erfolg aus, und er musste das Geschäft schließlich widerwillig aufgeben.

Wie kann ein Durchschnittsmensch ohne technologische oder lizenzbedingte Monopolvorteile dann große Gewinne erzielen?

Einzig und allein durch Informationsvorsprünge.

Genau so war es beim Flippergeschäft in der Anfangsphase – und bei vielen anderen Geschäftsmodellen ebenfalls: Kaufen zu niedrigen Preisen und Verkaufen zu hohen Preisen, wobei der Gewinn aus dem Informationsvorsprung resultiert.

Wenn das Wesen aller dieser Geschäfte darin besteht, Informationsvorsprünge zu nutzen – warum dann nicht einfach Aktien kaufen?

Die zusätzlichen Kosten sind minimal, die Liquidität ausgezeichnet – theoretisch stellt dies die beste Plattform dar, vorausgesetzt, man verfügt über geschäftlichen Scharfsinn und weiß, Chancen zu erkennen.

Genau diese Erkenntnis führte dazu, dass Buffett allmählich seine kleinen Geschäfte beiseitelegte und sein Interesse zunehmend auf den Aktienmarkt richtete.

Und wie 99,9 % aller Privatanleger begann Buffett seinen Weg an der Börse mit der Analyse von Chartmustern und folgte dabei der klassischen „Buy high, sell low“-Strategie – mit durchschnittlichen Ergebnissen.

Anders als die meisten Privatanleger jedoch liebte Buffett das Lesen – er entlieh praktisch jedes Buch über Aktien aus der Bibliothek.

Zu jener Zeit dominierten technische Analysen, W. D. Gann sowie „Reminiscences of a Stock Operator“ die Bestsellerlisten für Aktienliteratur – Buffett las sie alle, bis er schließlich Graham’s „The Intelligent Investor“ („Der intelligente Anleger“) erreichte.

Endlich traf ihn dieses Werk wie ein Blitzschlag – plötzlich wurde ihm alles klar.

Als er sich für ein Graduiertenstudium entschied, wählte er die Columbia University und trat offiziell in die Lehre von Benjamin Graham ein.

Was war also der größte Unterschied zu anderen Privatanlegern?

Warren Buffett erkannte früh die Nachteile der technischen Spekulationsstrategie und beschritt den wissenschaftlichen Weg des Value Investing.

Dies geschah im Jahr 1950, als Buffett 20 Jahre alt war.

Nach seinem Abschluss arbeitete Buffett einige Jahre lang als Aktienmakler und handelte auch selbst mit Aktien. Seine tägliche Routine bestand darin, Informationen aus dem „S&P Manual“ und dem „Moody’s Manual“ zu sammeln, diese zu analysieren und dann attraktive Aktien zu kaufen und zu halten.

Er folgte strikt der von Graham vermittelten Investitionsphilosophie und kaufte ausschließlich die günstigsten Aktien mit einer ausreichenden Sicherheitsmarge.

Alles verlief reibungslos.

Der junge Buffett erzielte nach und nach ein Vermögen von mehreren Hunderttausend Dollar und gründete schließlich einen privaten Investmentfonds, dessen verwaltetes Kapital auf mehrere Millionen Dollar anstieg.

Es war eine wunderbare Zeit.

Mit nur 30 Jahren war Buffett bereits ein Millionär.

Doch der Aktienmarkt ist nicht so einfach – manchmal muss man eben auch Lehrgeld zahlen.

Im Jahr 1962 waren nach jahrelangem Anstieg viele Aktien bereits teuer geworden. Buffett stellte fest, dass es gemäß der Theorie seines Lehrers kaum noch geeignete Anlageziele gab.

Nach langem Überlegen setzte er seine Hoffnung auf ein fast bankrottes Textilunternehmen: Berkshire Hathaway.

Laut der finanziellen Analyse betrug das bilanzierte Eigenkapital des Unternehmens 22 Millionen US-Dollar; aufgrund der schlechten Geschäftsentwicklung war der Aktienkurs jedoch niedrig, sodass die Übernahme lediglich 14 Millionen US-Dollar kostete.

Getrieben vom Gedanken, ein Schnäppchen zu machen, kaufte Buffett die Aktien schrittweise auf.

Doch diese Investition wurde zur größten Enttäuschung in Buffetts Karriere als „Aktiengott“.

Man bedenke: Zu diesem Zeitpunkt belief sich das gesamte von Buffett verwaltete Vermögen gerade einmal auf wenige Millionen US-Dollar – der Kauf von Berkshire Hathaway war daher praktisch ein Einsatz seines gesamten Vermögens.

Doch ist Investieren wirklich so einfach wie das Führen einer Buchhaltung?

Der aktuelle Preis scheint tatsächlich günstig zu sein – doch wie sieht es mit der Zukunft aus?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann das Zeitalter des globalen Handels. Die US-amerikanische Textilindustrie geriet unter dem Druck der preisgünstigen Arbeitskräfte in Ostasien zunehmend ins Hintertreffen, und der Aktienkurs von Berkshire Hathaway fiel kontinuierlich.

Warren Buffett kaufte bei fallenden Kursen immer weiter, bis er schließlich die vollständige Kontrolle übernahm – und sich damit für sein ganzes Leben festlegte.

1985 schloss Berkshire Hathaway seine letzte Textilfabrik; der Erlös aus der Versteigerung sämtlicher Vermögenswerte belief sich lediglich auf 160.000 US-Dollar.

Dieses „Hülle“-Unternehmen wurde daraufhin Buffetts Flaggschiff und vermittelte ihm eine bleibende Lektion.

Welchen Fehler hatte er also begangen?

— Er hatte den großen zeitlichen Trend nicht erkannt.

4

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die US-amerikanische Staatsmacht stetig an, und die Dritte Technologische Revolution brach aus.

1946 erfand IBM den ersten elektronischen Röhrencomputer ENIAC und leitete damit das Computerzeitalter ein; im selben Jahr stellte Motorola das erste Autotelefon vor und leitete damit das Zeitalter der drahtlosen Kommunikation ein;

1950 stellte RCA das erste Farbfernsehgerät vor;

1954 stellte Texas Instruments den ersten kommerziellen Siliziumtransistor vor und leitete damit eine neue Ära der Halbleiter ein;

1956 stellte Motorola das erste Piepsender-Produkt vor und brachte die drahtlose Kommunikationstechnologie jedem Einzelnen näher;

1958 entwickelte Texas Instruments den weltweit ersten integrierten Schaltkreis (IC-Chip);

1959 emittierte die Bank of America die erste Kreditkarte, aus der später das weltweit verbreitete VISA-Elektronik-Zahlungssystem hervorging;

1960 stellte Medtronic den ersten zuverlässigen implantierbaren Herzschrittmacher vor und eröffnete damit eine neue Welt der medizinischen Geräte-Technologie;

1964 stellte IBM den bahnbrechenden Großrechner System/360 vor – der erste Computer mit einer Betriebssystemsoftware.

1967 erfand Texas Instruments den ersten tragbaren Taschenrechner; damals betrug der Verkaufspreis pro Gerät satte 2.500 US-Dollar.

Im selben Jahr stellte Boeing das erste Modell der Baureihe 737 vor – das bis heute meistverkaufte Passagierflugzeug der Luftfahrtgeschichte mit insgesamt über 15.000 Bestellungen.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden sämtliche Branchen – darunter Computer, Telekommunikation, Pharmazie, Verkehrswesen und Finanzwesen – durch aufkommende elektronische Technologien revolutioniert. Diese Innovationen schufen einen rasanten Lebenswandel und eröffneten völlig neue „Blue Ocean“-Märkte.

Es lag daher nahe, dass das dominierende Investmentthema dieser Ära das Wachstumsaktien-Investment war.

Ausgezeichnete Wachstumsaktien waren jedoch stets sehr teuer – ihre Anlagephilosophie stand im krassen Gegensatz zu Warren Buffetts Prinzipien der „Sicherheitsmarge“ und des „Kaufs nur unterbewerteter Aktien“.

Der junge Buffett verpasste somit eine ganze Ära.

Der Börsengott jener Zeit war Philip Fisher (1907–2004), ein weiser Mann, der 98 Jahre alt wurde.

Fisher absolvierte die Stanford Graduate School of Business und arbeitete nach seinem Abschluss als Wertpapieranalyst. Bereits kurz nach seinem Studium erlebte er die Weltwirtschaftskrise – die Risiken des Aktienmarktes prägten ihn nachhaltig.

Doch statt sich einschüchtern zu lassen, vertiefte er sich immer intensiver in die Analyse technologiegetriebener Wachstumsaktien und perfektionierte seine Methodik kontinuierlich.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blühte die US-Wirtschaft auf, und Fisher gründete daraufhin sein eigenes Investmentunternehmen, um gezielt führende Wachstumsaktien zu erwerben.

Fishers erfolgreichste Positionen waren die Aktien von Texas Instruments und Motorola.

Wie bereits erwähnt, brachte Texas Instruments 1954 den ersten kommerziellen Silizium-Transistor auf den Markt und leitete damit das Halbleiterzeitalter ein.

Im folgenden Jahr, 1955, kaufte Fisher massiv Texas-Instruments-Aktien.

Drei Jahre später, 1958, entwickelte Texas Instruments den weltweit ersten integrierten Schaltkreis (IC) – der Aktienkurs stieg kontinuierlich.

Zum Höhepunkt des Bullenmarktes im Jahr 1962 hatte sich der Kurs von Texas Instruments um das 14-Fache erhöht!

Allerdings fiel im Anschluss an den Bärenmarkt der Aktienkurs von Texas Instruments um 80 % – doch Fisher verkaufte nicht, sondern hielt weiter fest.

1967 erfand Texas Instruments den Taschenrechner; in den folgenden Jahren erreichte der Aktienkurs erneut ein Allzeithoch und brachte Fisher eine Rendite von 30-fachem Kapital.

Ein weiteres Technologie-Leitunternehmen, Motorola, brachte Fisher ebenfalls eine 20-fache Rendite ein.

Man kann sagen, dass Texas Instruments und Motorola in jener Zeit das waren, was heute NVIDIA und Apple sind.

Wachstumsaktien sind stets teuer, und ihre Kursbewegungen können äußerst heftig sein – wie eine Achterbahnfahrt. Doch wenn man die zentralen Trends der jeweiligen Ära richtig erkennt und die richtige „Welle“ trifft, können die Renditen ebenso außergewöhnlich ausfallen.

Für Investitionen in Wachstumsaktien vertrat Fisher zwei zentrale Prinzipien:

Erstens: „Aktien kaufen heißt, Unternehmen kaufen.“ Hervorragende Unternehmen machen nur etwa fünf Prozent aller Unternehmen aus – egal, welcher Markt gerade vorherrscht. Daher sollte man ausschließlich die besten Unternehmen erwerben.

Hervorragende Unternehmen weisen drei Merkmale auf:

a) Sie legen großen Wert auf Forschung & Entwicklung sowie auf Marketinginnovationen und besitzen dadurch Wettbewerbsvorteile;

b) Sie verfügen über ein herausragendes Managementteam, das dem Unternehmen hilft, langfristig im Branchenwettbewerb seine Vorteile zu bewahren – dies ist äußerst wichtig, denn nur so kann ein Unternehmen nach einem Bärenmarkt erneut neue Höchststände erreichen;

c) Sie weisen hohe Gewinnmargen auf, zahlen jedoch niedrige oder gar keine Dividenden.

Wachstumsunternehmen investieren stets den Großteil ihres Gewinns in neue Geschäftsexpansionen. Eine hohe Ausschüttungsquote deutet meist darauf hin, dass das Unternehmen Schwierigkeiten bei der Geschäftsexpansion hat – daher wird der größte Teil des Gewinns als Dividende ausgezahlt.

Zweitens: Halten Sie langfristig mit der Zielsetzung, mindestens drei Jahre „eingefroren“ zu sein.

Wenn ein hervorragendes Unternehmen durch einen Marktfehler unterbewertet wird, stellt dies zweifellos eine einmalige Gelegenheit dar. Nutzen Sie solche Chancen – investieren Sie stark und halten Sie konsequent fest.

In den meisten Fällen sind jedoch die Kurse hervorragender Wachstumsaktien keineswegs günstig – es genügt daher, sie zu einem marktgerechten Preis zu erwerben, ohne sich allzu sehr um kurzfristige Gewinne oder Verluste Gedanken zu machen.

Oft kommt es zu starken Schwankungen am Aktienmarkt, sodass man unmittelbar nach dem Kauf „eingefroren“ wird – was tun?

Solange das Unternehmen weiterhin hervorragend ist und seine Zukunftsaussichten nach wie vor positiv sind, sollten Sie sich an das Prinzip halten, Ihre Position für drei Jahre zu halten – essen Sie weiterhin, schlafen Sie weiterhin, denn die Zeit wird alles beweisen.

Falls sich herausstellt, dass Ihre ursprüngliche Einschätzung falsch war, stellen Sie dies ehrlich fest und verlassen Sie die Position sofort, um stattdessen in ein Unternehmen mit aussichtsreicheren Perspektiven zu investieren.

Der Verkaufsgrund hängt ausschließlich mit den Wachstumsaussichten des Unternehmens zusammen und hat keinerlei Bezug zu der Kursentwicklung Ihrer Aktienposition.

Eine gesunde Investorenmentalität ist äußerst wichtig – lassen Sie sich auf keinen Fall von Marktturbulenzen oder täglichen Schwankungen beeinflussen; all dies stellt lediglich Rauschen dar, das erfolgreiche Investitionen behindert.

5

Mit Beginn der 1970er Jahre war Warren Buffett weiterhin mit seinen günstigen „Schrottaktien“ stark beschäftigt.

Die USA sahen sich sowohl im Weltraum als auch militärisch der Herausforderung durch die Sowjetunion gegenüber; wirtschaftlich wurden sie zudem vom Aufstieg Japans und Deutschlands überschattet. Inländisch herrschte hohe Inflation, der US-Dollar verlor an Wert – eine Krise folgte der nächsten.

Auf dem Aktienmarkt spiegelte sich dies in einer zehnjährigen Stagnation wider – eine frostige, trostlose Phase.

Wie es heißt: „Die Zeit schafft ihre Helden.“ Vor diesem neuen historischen Hintergrund traten neue Talente auf den Plan.

Diese Ära gehörte John Templeton (1912–2008, 97 Jahre) und Shelby Cullom Davis (1906–1994, 89 Jahre) – zwei ebenso weise wie langlebige Männer.

Templeton formulierte einen berühmten Ausspruch: „Marktbewegungen entstehen stets aus Verzweiflung, wachsen im Zweifel, reifen in Optimismus und sterben in Euphorie. Der pessimistischste Moment ist der beste Zeitpunkt zum Kauf; der optimistischste Moment ist der beste Zeitpunkt zum Verkauf.“

Dies ist Temples Regel der konträren („contrarian“) Anlagestrategie.

Davis prägte ebenfalls einen berühmten Satz: „Kauft man potenziell attraktive Aktien bei niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (im Bärenmarkt), so vervielfacht sich der Aktienkurs durch steigende Kurs-Gewinn-Verhältnisse und gleichzeitig wachsende Gewinne – umgekehrt kann der Kurs ebenso stark fallen.“

Dies ist die berühmte „Davis-Doppelwirkung“ („Davis Double Play“) bzw. „Davis-Doppelschlag“ – eine Regel zur Zinseszins-Investition.

Tatsächlich betonen sowohl die konträre als auch die Zinseszins-Investitionsstrategie im Kern dasselbe Prinzip: Kaufen niedrig, verkaufen hoch – und folgen damit den Grundregeln des Value Investing.

Diese Grundsätze verstehen viele Menschen.

Was sie wirklich von anderen abhob, war ihre damals unübertroffene internationale Investitionsperspektive.

Templeton hatte als junger Mann in Großbritannien studiert und Europa ausgiebig bereist, wodurch er mit der europäischen Geschichte, Kultur und Wirtschaftsstruktur bestens vertraut war;

Davis hatte ebenfalls in der Schweiz studiert und auf einem Zug nach Frankreich seine spätere Ehefrau kennengelernt.

1968 traf Templeton eine außergewöhnliche Entscheidung: Er verzichtete auf die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, zog auf die kleine Karibikinsel Bahamas und lebte dort vierzig Jahre lang bis zu seinem Tod.

Seiner Ansicht nach scheiterten viele Anleger häufig aufgrund störender Einflüsse und unkontrollierbarer Begierden. Die Entfernung vom Finanzzentrum bedeutete für ihn zugleich eine Distanzierung von Lärm und Begierde – was ihm zweifellos ermöglichte, ruhiger und klarer zu investieren.

Zudem ermöglichte ihm die physische Distanz zu den USA eine umfassendere und neutralere Betrachtung der Weltwirtschaft:

So entdeckte er hervorragende Investitionsmöglichkeiten während des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Deutschlands und Japans nach dem Zweiten Weltkrieg und zog seine Mittel erst Mitte der 1980er-Jahre aus dem japanischen Aktienmarkt ab;

Gleichzeitig nutzte er die Krise der US-Automobilindustrie infolge des japanischen Wettbewerbs und kaufte 1978 massiv Aktien von Ford, als das Unternehmen kurz vor der Insolvenz stand;

Diese vielseitige Herangehensweise brachte Templetons Investmentkarriere an ihren Höhepunkt: Die durchschnittliche jährliche Rendite der von ihm verwalteten Fonds betrug 18,3 % – deutlich höher als der gleichzeitige US-Aktienindex.

Auch Davis hatte ähnliche Erfahrungen gesammelt.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit konzentrierte sich Davis auf den Kauf von Versicherungsaktien. Damals befand sich die Versicherungsbranche – im Gegensatz zu den traditionsreichen Bankaktien – noch in einer dynamischen Wachstumsphase.

Die US-Regierung förderte die Einführung einer flächendeckenden Krankenversicherung; zurückgekehrte Soldaten heirateten und gründeten Familien – neben Lebensversicherungen entstanden kontinuierlich neue Versicherungsprodukte wie Haus- und Autoversicherungen.

Demografischer Bonus + steigende Marktdurchdringung + innovative Geschäftsfelder machten das Wachstumspotenzial von Versicherungsaktien durchaus vergleichbar mit dem anderer Technologieaktien.

Davis begann seine Börsenkarriere mit einem Darlehen von 50.000 US-Dollar von seinem Schwiegervater und nutzte die Bullenmärkte der 1950er- und 1960er-Jahre, um sein Startkapital aufzubauen;

Als Mitte der 1960er-Jahre die US-Aktienblase überhandnahm, wechselte er entschlossen nach Japan und kaufte dort junge Versicherungsaktien – und wiederholte damit erfolgreich seine Erfolge am US-Markt.

Stetiges Gewachstum + steigende Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) + Aufeinanderfolgen von Bullenmärkten in mehreren Ländern + Hebelwirkung verwandelten die ursprünglichen 50.000 US-Dollar innerhalb von 40 Jahren in ein gewaltiges Vermögen von 900 Millionen US-Dollar.

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1977–1978 war eine bahnbrechende Zäsur in der amerikanischen Geschichte.

1977 veröffentlichte George Lucas den weltweit begeistert aufgenommenen Science-Fiction-Film „Krieg der Sterne“ (Star Wars), der die Filmindustrie in das Zeitalter der Spezialeffekt-lastigen Blockbuster einführte;

Im selben Jahr brachte Apple den Apple II heraus – den ersten Personal Computer der Menschheitsgeschichte;

Im folgenden Jahr brachte IBM ein konkurrierendes PC-Produkt auf den Markt und integrierte den 8088-Prozessor von Intel sowie die BASIC-Software von Microsoft. Damit begann die „2.0-Ära“ der weltweiten Computerindustrie.

Gepaart mit dieser Welle technologischer Innovation erlangte die USA neue Auftriebskraft und drehte im Konkurrenzkampf mit der Sowjetunion die Lage zugunsten Amerikas – Wachstumsaktien-Investments wurden erneut zum vorherrschenden Thema ihrer Zeit.

1978 trafen sich der 49-jährige Warren Buffett und der 55-jährige Charlie Munger – ein Wendepunkt für ihre lebenslange berufliche Zusammenarbeit.

Möglicherweise wissen Sie nicht, dass diese beiden Meister der Investmentgeschichte – heute als ideales Team verehrt – geradezu gegensätzliche Persönlichkeiten waren.

Buffetts schulische Leistungen in jungen Jahren waren lediglich durchschnittlich bis oberdurchschnittlich – daher wurde seine Erstwahl, die Harvard University, abgelehnt. Munger hingegen war ein echter Überflieger: Absolvent der Harvard Law School.

Buffett ist zurückhaltend und wenig gesellig; nach einigen Berufsjahren kehrte er deshalb in seine Heimatstadt Omaha zurück, um dort eigenständig Aktien zu handeln. Munger dagegen lebte stets in der Großstadt Los Angeles und experimentierte ständig mit neuen Ideen.

Buffetts Denken kreiste ausschließlich um Aktien und die von seinem Lehrer Benjamin Graham vermittelte „innere Lehre“;

Munger hingegen war von großer Neugier getrieben, las unzählige Bücher und beschäftigte sich intensiv mit den unterschiedlichsten Themen – neben Aktien auch mit Immobilien, Private Equity und vielen anderen Bereichen.

Doch in den 1970er-Jahren lief es für Buffett nicht gut – und Munger erging es kaum besser.

Buffett war in der „Cigar-Butt“-Investmentstrategie (Ankauf unterbewerteter „Restaktien“) festgefahren und konnte sich nicht daraus befreien. Sein größtes Problem bestand darin, dass das scheinbar wissenschaftliche Sicherheitsmargen-Modell doch so gefährliche Wertfallen enthielt.

Mungers Problem war hingegen: „Ich verstehe die Prinzipien – aber ich handle trotzdem impulsiv.“

Als Folge davon erlitt Munger in den zwei Jahren vor seiner Partnerschaft mit Buffett mehrfach massive Verluste – was ihn so entmutigte, dass er zeitweise sogar sein eigenes Investmentunternehmen auflöste.

Es gibt keine perfekten Menschen auf dieser Welt.

Charlie Munger ist ein Meister der strategischen Planung, jedoch weniger begabt im schnellen Entscheiden – in der Antike wäre er ein idealer Militärberater gewesen, heute eignet er sich hervorragend als Analyst.

Warren Buffett hingegen entscheidet ausgezeichnet, doch mangelt es ihm an strategischer Planungstiefe – in der Antike wäre er ein idealer Feldherr gewesen, heute eignet er sich bestens als Trader.

Als der Trader Warren Buffett auf den Analysten Charlie Munger traf,

fragte Buffett:

„Ich habe mein ganzes Leben lang die Regel der Sicherheitsmarge strikt eingehalten. Doch selbst bei scheinbar sicheren Aktien mit niedriger Bewertung entpuppen sich manche als schwerwiegende Wertfallen. Wie kann man diese Fallgruben überwinden?“

Munger antwortete:

„Ich habe drei bewährte Strategien für Sie:

Erstens: Statt Zeit und Energie darauf zu verwenden, minderwertige Unternehmen zu günstigen Preisen zu kaufen, sollten Sie lieber zu angemessenen Preisen in erstklassige Unternehmen investieren.

Zweitens: Wenn das Wachstumspotenzial eines Unternehmens ausreichend hoch ist, lohnt sich selbst ein höherer Aktienkurs als Kaufgelegenheit.

Drittens: Bei einer Aktieninvestition geht es nicht nur um Branchenchancen, Produkte und Geschäftsmodelle des Unternehmens – viel wichtiger ist, ob das Management aus ambitionierten, kompetenten Führungskräften besteht. Ist dies der Fall, dann bleibt der Preis auch bei einer Aufwertung um das Zwei- bis Dreifache noch attraktiv.“

Buffett war von dieser Erkenntnis tief beeindruckt. Später sagte er gegenüber Freunden:

„Mit der Kraft seiner Gedanken hat er meinen Horizont erheblich erweitert und mich mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit von einem Affen zum Menschen werden lassen. Ohne ihn wäre ich heute deutlich ärmer.“

Man kann sagen, dass Buffetts Investitionsansatz seit seiner Zusammenarbeit mit Munger eine bedeutende Weiterentwicklung erfahren hat.

Er verzichtete darauf, sich auf preisgünstige „Zigarrenstummel-Aktien“ zu konzentrieren, und wandte sich stattdessen qualitativ hochwertigen Unternehmen mit stabilem Wachstumspfotenzial zu, die zu angemessenen Preisen erworben wurden.

Dies entspricht einer Synthese aus Graham und Fisher – beide Ansätze verschmelzen nahtlos miteinander und ergänzen sich perfekt.

Auf diesem Gebiet gibt es weltweit keinen Konkurrenten mehr.

Oh nein, es gibt doch noch Gegner~~~

In den 1980er-Jahren tauchte in der Investmentbranche ein Genie auf: Peter Lynch, der zweite große Meister der Wachstumsaktien.

Peter Lynch wurde 1944 geboren, im Jahr vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Alliierten die Landung in der Normandie durchführten und bereits den Sieg in der Hand hatten.

Von seiner beruflichen Erfahrung her war Peter Lynch lediglich ein jüngerer Kollege;

aus Sicht seiner Anlageerfahrung jedoch besaß er Vorteile, die seinen älteren Kollegen nicht vergönnt waren.

Erstens hatte er weder die verheerende Weltwirtschaftskrise noch Kriegswirren erlebt; stattdessen wuchs er in der wirtschaftlichen Blütezeit nach dem Krieg auf – sein Denken war daher entspannter und optimistischer und er war risikofreudiger.

Zweitens trat er unmittelbar nach seinem Abschluss bei dem damals renommierten Fidelity Investment Fund ein, begann dort als Praktikant, erhielt eine professionelle theoretische Ausbildung und konnte an einer großen Plattform tätig werden – sein Start war somit hoch und er sparte sich viele Umwege.

Drittens war sein Glück groß genug: 1977 übernahm Lynch die Leitung des Fidelity Magellan Funds. In den anschließenden 1980er-Jahren erlebten Wachstumsaktien einen enormen Aufschwung; Lynch baute breitgestreut Positionen auf und zog sich dann in der Hochphase zurück.

Statistiken zufolge erzielte Peter Lynch während seiner 13-jährigen Führung des Fidelity Magellan Funds (1977–1990) eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29 % – die höchste durchschnittliche Rendite aller bekannten Investmentmeister und sogar besser als Warren Buffetts Performance.

Das von ihm verwaltete Fondsvermögen stieg von anfänglich 20 Millionen US-Dollar auf schließlich 14 Milliarden US-Dollar an; die Zahl der Fondsmitglieder überstieg 1 Million – damit war dieser Fonds damals der weltweit größte Asset-Management-Fonds.

Was seinen Anlageansatz betrifft, so basierte Peter Lynchs Kernphilosophie auf zwei Grundsätzen:

Erstens: Achten Sie auf kleine Unternehmen mit solider Fundamentalanalyse, die von anderen Anlegern übersehen werden.

Dies unterscheidet sich stark von Philip Fisher: Während Fisher bevorzugt Mainstream-Technologieaktien kaufte, bevorzugte Lynch Nischenkonsumaktien außerhalb der Mainstream-Märkte.

Während seiner gesamten Karriere kaufte Lynch mehr als 10.000 Aktien, überwiegend kleine Unternehmen aus Spezialsegmenten wie Toys "R" Us, The Body Shop und La Quinta Inns & Suites.

Der bekannteste Fall ist Walmart, doch zum Zeitpunkt seines Kaufs war dieses Unternehmen erst wenige Jahre zuvor an die Börse gegangen und immer noch ein mittelständisches Unternehmen.

Walmart ging 1972 an die Börse; innerhalb der folgenden 25 Jahre stieg seine Marktkapitalisierung um das 5.000-Fache – ausgehend von einem unscheinbaren Discount-Supermarkt in einer kleinen Stadt im US-amerikanischen Mittelwesten entwickelte es sich zum weltweit größten Supermarktkonzern und belegte Platz eins der Fortune Global 500.

In den 1980er-Jahren befand sich Walmart in seiner Blütezeit der internationalen Expansion: Der Konzern führte Computertechnologie ein und modernisierte seine Lieferkette – sein Wachstum war damals unübertroffen.

In dieser Phase stiegen Walgreens Umsätze von 1,655 Milliarden US-Dollar im Jahr 1981 auf 32,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 1991 – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 34,72 %. Der Nettogewinn erhöhte sich um das 22-Fache, während der Aktienkurs um das 61-Fache stieg.

Zweitens: Streuung der Anlagen – „Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb“ – und langfristiges Halten.

Dies steht diametral im Gegensatz zu Fishers Ansatz: Fisher bevorzugte konzentrierte Positionen, während Lynch vielmehr eine breite Streuung favorisierte.

Dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens war der Fonds, den Lynch verwaltete, sehr groß – insbesondere in späteren Jahren – und er investierte vorwiegend in Small-Cap-Aktien, weshalb eine Streuung zwingend notwendig war.

Zweitens vertrat Lynch die Auffassung, dass konzentrierte Positionen starken Kursschwankungen unterliegen und dadurch die psychische Stabilität des Anlegers beeinträchtigen können – was wiederum zu kurzfristigem Spekulieren führt.

Wie dem auch sei: Lynch war zweifellos ein ausreichend intelligenter, fleißiger und glücklicher Mensch.

Ein besonders interessantes Beispiel hierzu:

Im Jahr 1989 kaufte Warren Buffett eine Luftfahrtaktie. Unmittelbar nach dem Kauf folgten jedoch eine Reihe schwerwiegender Rückschläge: Erstens führte der Golfkrieg zu einem starken Anstieg der Ölpreise; zweitens ereigneten sich in den folgenden Jahren mehrere schwere Flugunfälle.

Das Ergebnis: Das Unternehmen verzeichnete jahrelang Verluste und stand zeitweise kurz vor der Insolvenz.

Dies war die größte Fehlinvestition in Buffetts zweiter Lebenshälfte – sie hielt ihn in den nächsten zwanzig Jahren davon ab, erneut in Luftfahrtaktien zu investieren; ja, er bezeichnete Luftfahrtaktien sogar mit scharfen Worten als „Wertvernichter“.

Lynch hingegen war ganz anders: Seine erste Investition überhaupt war eine Luftfahrtaktie.

Damals hatte Lynch gerade sein Studium begonnen und investierte über tausend US-Dollar seines Stipendiums in Aktien der Flying Tiger Line. Der Kaufkurs betrug damals 7 US-Dollar pro Aktie; später verkaufte er diese Aktien für 32 US-Dollar – eine Wertsteigerung von 450 %.

So ist das eben mit dem Schicksal.

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Investieren ist ein Langstreckenlauf.

Im Jahr 1990 zog sich der junge Genie Peter Lynch aus der Öffentlichkeit zurück – danach begann die Ära Buffetts.

Buffett und Munger – bitte beginnen Sie nun mit Ihrer Wunder-Zeit!

Laut Forbes rangierte Buffett in den letzten zwanzig Jahren konstant unter den Top 3 der weltweit reichsten Menschen; sein persönliches Nettovermögen beträgt derzeit über 80 Milliarden US-Dollar.

Mehr als 95 % dieses Vermögens wurden nach 1990 erwirtschaftet.

Warum war Buffetts Erfolg in den letzten dreißig Jahren so außergewöhnlich?

Betrachten wir die folgende Tabelle:

Dies sind die 15 größten Positionen aus dem „Brief an die Aktionäre“ von Berkshire Hathaway im Jahr 2018.

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Berkshire Hathaway ist Buffetts Investitionsflaggschiff, das aus einer gescheiterten Textilfabrik hervorging und heute ein Marktwert von 500 Milliarden US-Dollar aufweist. Damit ist es das fünftgrößte Unternehmen an der US-Börse – hinter Microsoft, Amazon, Apple und Google.

Der Hauptsitz des Unternehmens beschäftigt nur rund zwei Dutzend Mitarbeiter, überwiegend Frauen, die für Verwaltung, Finanzen und Rechtsfragen zuständig sind, sowie vier bis fünf Investmentmanager.

Unten sehen Sie das Gruppenfoto der Weihnachtsfeier von 2014.

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Als Entscheidungsträger erteilt Buffett seine Handelsanweisungen üblicherweise in diesem kleinen Büro.

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In den letzten sechzig Jahren lebte Buffett stets hier.

Dies ist eine kleine Dreistadt im Landesinneren der USA – wenig Menschen, saubere Luft, und jeden Abend kann man den Sternenhimmel bewundern, ohne durch Smog, Straßenlärm oder das grelle Licht der Großstadt gestört zu werden.

Nur sehr selten besuchen Medienvertreter diesen Ort für Interviews, und es besteht auch keine Notwendigkeit, zwischen diversen sozialen und branchenspezifischen Veranstaltungen hin und her zu pendeln.

Der Geist bleibt ausreichend ruhig.

Dies ermöglicht ihm, seine Entscheidungen ausreichend rational zu treffen.

In unregelmäßigen Abständen ruft Charlie Munger, der in Los Angeles – 2.500 Kilometer entfernt – lebt, an und berichtet begeistert als umsichtiger Analyst über neu entdeckte Unternehmen, die sich als lohnende Investitionen erweisen könnten.

Warren Buffett hingegen bleibt stets vorsichtig: Er beobachtet viel und handelt wenig.

Er sagt: „Die Richtung ist hundertmal wichtiger als Fleiß.“

Werfen wir einen Blick auf seine derzeitigen 15 größten Einzelpositionen:

Wells Fargo, Apple, Bank of America, Coca-Cola, American Express, Phillips 66, U.S. Bancorp, Moody’s, Southwest Airlines, Delta Air Lines, Goldman Sachs, Bank of New York Mellon, Charter Communications, BYD, General Motors.

Sieben Finanzwerte (davon vier Banken): Wells Fargo, Bank of America, American Express, U.S. Bancorp, Moody’s, Goldman Sachs und Bank of New York Mellon.

Ein wesentlicher Grund für den umfangreichen Kauf von Finanz- und Bankaktien liegt darin, dass diese Titel ein großes Handelsvolumen aufweisen und stabile Erträge generieren – sie fungieren für ein großes Investmentunternehmen wie Berkshire Hathaway als „Ballast“.

Darüber hinaus handelt es sich bei Apple um ein Technologieunternehmen, bei Coca-Cola um ein Konsumgüterunternehmen, bei Phillips 66 um ein Energieunternehmen, bei Southwest Airlines und Delta Air Lines um Verkehrs- und Luftfahrtunternehmen, bei Charter Communications um ein Medienunternehmen, bei BYD um ein Unternehmen für neue Energiefahrzeuge und bei General Motors um ein traditionelles Industrieunternehmen.

Diese breite Diversifikation folgt dem Grundsatz „Alle Eier nicht in einen Korb legen“.

Zudem tauchen nunmehr sogar Aktien aus Branchen auf der Liste der größten Positionen auf, die Buffett früher vehement ablehnte – etwa Luftfahrtaktien, denen er einst entschieden aus dem Weg ging, sowie Technologieaktien, die er lange Zeit strikt vermied.

Wir konzentrieren uns nun auf die fünf Aktien mit der höchsten Rendite:

Moody’s: 1368 %;

Coca-Cola, 1312 %;

American Express, 1069 %;

BYD, 745 %;

Goldman Sachs, 343 %.

Die Haltefrist für diese Aktien war jeweils ausreichend lang – oft über zehn Jahre hinaus.

Die beiden am längsten gehaltenen Aktien – jeweils 30 Jahre – sind American Express und Coca-Cola.

Beginnen wir mit American Express.

Dies ist ein traditionsreiches Unternehmen mit einer über hundertjährigen Geschichte: Zu Beginn war es als Paketdienst tätig, wandelte sich später zum Anbieter von Reiseschecks und schließlich zum Kreditkartenanbieter im Konsumsektor.

Warren Buffett kaufte die Aktie zweimal: Das erste Mal in den 1960er-Jahren, nachdem der Aktienkurs infolge einer Finanzaffäre stark eingebrochen war. Buffett erwarb damals einen Großteil des Unternehmens – sein Anteil belief sich auf bis zu 40 %.

Drei Jahre später erzielte diese Investition eine Rendite von 200–300 % und brachte Buffett über zehn Millionen US-Dollar Gewinn ein – ein Ergebnis, das ihn äußerst zufriedenstellte.

Man kann dies als klassisches Beispiel für eine „Turnaround“-Investition bezeichnen.

Im Jahr 1990 geriet American Express erneut in Schwierigkeiten: Aufgrund seiner Niederlage im Wettbewerb mit den beiden großen Kreditkartenorganisationen VISA und Mastercard brachen sowohl Geschäftsergebnis als auch Aktienkurs ein.

Der alte Freund war wieder da.

Diesmal führte Buffett eine gründliche Analyse durch und stellte fest, dass sich das Management des Unternehmens gewechselt hatte. Das neue Management konzentrierte sich auf das Kerngeschäft und verfolgte eine differenzierte Positionierung, um mit den beiden Kreditkarten-Giganten zu konkurrieren.

Während VISA und Mastercard auf den Massenkonsummarkt abzielten, entschied sich American Express dafür, den Premium-Markt anzugehen – und ausschließlich Geschäfte mit den reichsten 20 % der Kunden zu tätigen.

In den Jahren 1991, 1994 und 1995 erhöhte Buffett seine Position dreimal hintereinander – und hält sie bis heute.

Bis zum Jahr 1999 hatte sich die anfänglich insgesamt investierte Summe von 1,4 Milliarden US-Dollar auf 8,4 Milliarden US-Dollar erhöht – eine Steigerung um das Sechsfache.

Der zweite Kauf erfolgte aus ähnlichen Gründen wie der erste.

Auf den ersten Blick handelte es sich jeweils um eine Trendwende aus einer schwierigen Lage heraus; bei näherer Betrachtung war jedoch stets auch die nationale Entwicklung („Guo Yun“) von entscheidender Bedeutung.

Wie bereits erwähnt, hatte die USA nach dem Sieg im Zweiten Weltkrieg in den 1950er und 1960er Jahren ihre nationale Blütezeit erreicht, was zu einem starken Aufschwung für Wachstumsaktien führte und Meister wie Philip Fisher ermöglichte, diesen Aufwind optimal zu nutzen.

Die 1990er Jahre stellten hingegen die zweite Phase starker nationaler Prosperität der USA nach dem Krieg dar.

Zunächst fiel die Berliner Mauer, das Sowjetreich zerbrach, und Dutzende Länder wandten sich dem Kapitalismus zu und öffneten multinationalen Unternehmen breite Märkte.

Anschließend brach die Internetrevolution aus, die die Produktivität steigerte und eine neue Schicht technologieorientierter Milliardäre hervorbrachte.

Diese nationalen Entwicklungen waren ein entscheidender Faktor für den starken Börsenaufschwung an der US-amerikanischen Börse in den 1990er Jahren und kamen auch der Premium-Neuausrichtung von American Express zugute.

Dasselbe gilt für Coca-Cola.

1987 erlebte die USA eine Finanzkrise, wodurch der Aktienkurs von Coca-Cola um 30 % fiel. Im folgenden Jahr investierte Warren Buffett 1 Milliarde US-Dollar in einen Großteil des Unternehmens.

Zu diesem Zeitpunkt betrug die Marktkapitalisierung von Coca-Cola lediglich 15 Milliarden US-Dollar.

In den darauf folgenden zehn Jahren expandierte Coca-Cola massiv in asiatische und osteuropäische Märkte, wodurch sich der Umsatz verdoppelte – dies war eine der wachstumsstärksten Phasen in der über einhundertjährigen Geschichte des Unternehmens.

1998 erreichte die Marktkapitalisierung von Coca-Cola 150 Milliarden US-Dollar – ein Zehnfaches gegenüber dem Wert vor zehn Jahren – und wurde damit zur profitabelsten Position im Investmentportfolio von Warren Buffett.

Buffett war mit der Rendite von Coca-Cola äußerst zufrieden und betonte stets deren „Moat“ (Wettbewerbsvorteil), die starke Markenbindung und die langfristige Halteempfehlung.

Bei genauerer Analyse zeigt sich jedoch, dass drei Viertel der Gesamterträge während der ersten zehn Jahre der Haltedauer erzielt wurden – jener Phase globaler Expansion und Wachstum.

In den folgenden zwanzig Jahren, als praktisch jeder Winkel des „globalen Dorfes“ mit Coca-Cola-Flaschen gefüllt war und das Wachstumspotenzial erschöpft war, brachte das Unternehmen Buffett faktisch kaum noch zusätzliche Erträge.

Die übrigen drei Aktien – Moody’s (gekauft im Jahr 2001), Goldman Sachs und BYD (jeweils gekauft im Jahr 2008) – wurden alle in einem Jahr erworben, das durch eine alle zehn Jahre wiederkehrende Finanzkrise gekennzeichnet war.

Veranschaulicht eindrucksvoll den Ausspruch „Ich fürchte mich, wenn andere gierig sind; ich werde gierig, wenn andere sich fürchten.“

Allerdings ist die Investition in BYD im Vergleich zu den beiden Finanzaktien Moody’s und Goldman Sachs noch überraschender.

Denn dies ist das erste Mal, dass eines von Warren Buffetts Kerninvestments ein Technologieunternehmen ist – und zwar ein Unternehmen aus China.

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Tatsächlich verfolgt Buffett China bereits seit langem aufmerksam.

Im Jahr 2003, während der SARS-Epidemie in China, kaufte Buffett heimlich Aktien des chinesischen Erdölunternehmens PetroChina im Wert von 488 Millionen US-Dollar an der Hongkonger Börse.

Fünf Jahre später, auf dem Höhepunkt des Bullenmarktes im Jahr 2007, verkaufte Buffett sämtliche Anteile. Der Gesamtwert der Aktien war mittlerweile auf 4 Milliarden US-Dollar gestiegen; zusätzlich erhielt er kumulierte Dividenden in Höhe von 240 Millionen US-Dollar.

Dies stellt einen klassischen Investmentcoup dar – Buffett profitierte vollständig von der Aufwärtsentwicklung Chinas während dessen wirtschaftlichen Aufstiegs.

Vor siebzehn Jahren bestand Chinas größter wirtschaftlicher Vorteil in der Urbanisierung und dem Immobilienboom sowie in der damit verbundenen steigenden Nachfrage nach Energie und Stahl – was zu knappen Kapazitäten und steigenden Preisen führte.

Buffett erkannte diese Gelegenheit frühzeitig.

Vor zwölf Jahren begann Chinas kostengünstige Arbeitskraft zu schwinden, während die Technologiebranche gerade erste zarte Triebe zeigte.

Charlie Munger empfahl BYD; nach einem Treffen mit Wang Chuanfu, dem CEO des Unternehmens für neue Energiefahrzeuge, beschloss Buffett, einen 10-prozentigen Anteil am Unternehmen für 230 Millionen US-Dollar zu erwerben.

Zehn Jahre später gehört diese Investition zu den fünf rentabelsten Transaktionen in Buffetts gesamter Karriere.

Ein Blick zurück auf die hundertjährige Geschichte des Investments zeigt: Diejenigen, die stets an der Spitze der Entwicklung standen, besaßen stets eine außergewöhnliche Fähigkeit, die jeweilige nationale Entwicklungskraft und den richtigen Zeitpunkt zu erkennen.

In den 1920er-Jahren erkannte Jesse Livermore den Aufstieg der USA, den Immobilienboom und die damals vorherrschende Spekulationsblase – und spekulierte am Höhepunkt der Blase erfolgreich gegen den Markt, was ihm den Titel „König der Spekulanten“ einbrachte;

In den 1960er-Jahren erkannte Philip Fisher die dritte große technologische Revolution nach dem Zweiten Weltkrieg und nutzte die rasante Expansion führender Technologieunternehmen wie Texas Instruments und Motorola – was ihm den Titel „Vater der Wachstumsaktien“ einbrachte;

In den 1970er Jahren geriet die US-Wirtschaft in eine Transformationskrise; Templeton und Davis wandten sich daraufhin japanischen und deutschen Aktien zu – eine internationale Perspektive wurde zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

In den 1980er Jahren erholte sich die US-Wirtschaft wieder, Wachstumsaktien kehrten mit Nachdruck zurück, und der „zweite Generation“ angehörende Wachstumsaktien-Meister Peter Lynch stach deutlich hervor.

In den 1990er Jahren nutzte Buffett die historische Gelegenheit des erneuten Aufschwungs der US-Wirtschaft geschickt aus: Er „ritt“ auf Titeln wie Coca-Cola und American Express – und stieg schwindelerregend nach oben. Wie das Sprichwort sagt: „Die Zeit formt die Helden.“ Ohne die über ein Jahrhundert andauernde wirtschaftliche Stärke der USA hätte es niemals so viele Investment-Größen gegeben.

Doch im Unterschied zu den anderen genannten Investment-Größen agierte Buffett nicht allein.

Hinter ihm stand Charlie Munger – ein erstklassiger Analyst, der ihm einen weitaus breiteren Horizont eröffnete.

Unter Mungers Einfluss verzichtete Buffett zunehmend auf seine früheren „Zigarrenstummel“-Strategien mit ausschließlich unterbewerteten Aktien und begann stattdessen auch in Technologie-Wachstumsaktien wie Apple und BYD zu investieren. Zudem beschränkte er sich nicht mehr nur auf US-amerikanische Unternehmen, sondern richtete seinen Blick weltweit aus – etwa auf Chinas aufstrebende Märkte.

In Buffetts Portfolio spürt man die Vereinigung von Graham’s Sicherheitsmarge-Konzept + Fishers Prinzipien für hochwertige Wachstumsaktien + Templetons und Davises globaler Investitionsperspektive + Lychs Bewusstsein für Diversifikation – alles vereint in einem harmonischen Ganzen.

Der Finanzmarkt ist wie jede andere Branche mit Chancen, Risiken und Blindstellen verbunden. Die individuellen Fähigkeiten eines Menschen sind letztlich begrenzt – daher gewinnt Teamarbeit immer mehr an Bedeutung: Durch wissenschaftlich fundierte Methoden und klare Arbeitsteilung können gemeinsam selbst extreme Marktturbulenzen bewältigt werden.

Genau deshalb scheiterte der frühe Jesse Livermore trotz seiner außergewöhnlichen Begabung immer wieder mit Insolvenzen – während Warren Buffett heute über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert hinweg kontinuierlich erfolgreich bleibt.

Im Jahr 2019 war Buffett bereits 90 Jahre alt, Munger 96.

In Medieninterviews zeigten beide noch immer klare Gedankenführung, tiefgründiges Denken und sprachen oft mit einer ehrlichen, durch Lebenserfahrung gereiften Weisheit – stets verbunden mit ihrer ursprünglichen Intention.

Ist es die jahrzehntelange Erfahrung im Investmentgeschäft, die ihnen diese ruhige, gelassene Ausstrahlung verleiht?

Oder stellt die höchste Stufe des Investierens gerade die Synthese aus dem Verständnis der universellen Gesetzmäßigkeiten aller Dinge und deren innerer, ganzheitlicher Integration dar?

Graham wurde 83 Jahre alt; Fisher 98; Templeton 97; Davis 89 …

Investieren ist tatsächlich eine Form der Selbstkultivierung.

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Im Jahr 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise, stand die Sonne hoch am Himmel.

Der damalige US-Präsident George W. Bush lud eine Person namens Ray Dalio ins Weiße Haus ein, um die Hypothekenkrise zu erläutern.

Zu diesem Zeitpunkt war die Subprime-Krise gerade erst aufgetaucht, und niemand wusste genau, was vor sich ging.

Dalio äußerte sich unverblümt:

Das aktuelle Kreditvolumen und die Hebelwirkung der US-Finanzinstitute entsprächen bereits jenen der deutschen Weimarer Republik während der Kreditkrise; ihre Schuldentragfähigkeit sei äußerst fragil, und zahlreiche Bankrottierungen innerhalb des Bankensystems seien unvermeidlich.

Wenige Monate später vertiefte sich die Finanzkrise zunehmend: Insgesamt gingen in den USA 400 Banken bankrott – darunter auch traditionsreiche Institutionen wie Lehman Brothers, Merrill Lynch und Bear Stearns.

Citibank und AIG konnten nur dank einer Notfallfinanzierung durch die Federal Reserve gerettet werden.

Buffetts Großpositionen bei Wells Fargo, American Express und Moody’s halbierten sich sämtlich – mit entsprechend schweren Verlusten.

Einzig Dalios Bridgewater Associates hatte die Krise frühzeitig vorausgesehen und durch massiven Kauf von Staatsanleihen und Gold sowie durch Leerverkäufe des US-Dollars nahezu 9 % positive Rendite erwirtschaftet.

Nach der Krise stieg der Ruf von Bridgewater Associates kontinuierlich, bis das Unternehmen schließlich zur weltweit größten Hedgefonds-Organisation aufstieg.

Ray Dalio gilt als der führende Investor unserer Zeit und wird zudem als derjenige angesehen, der Risikomanagement im Kontext von Konjunkturzyklen am besten beherrscht.

Wie gelang es Dalio jedoch, die Krise völlig unbeschadet zu überstehen?

1949 wurde Dalio in New York geboren – zeitgleich mit Peter Lynch.

Bereits während seiner Schulzeit begann er mit Aktienhandel; seine erste gekaufte Aktie war Northeast Airlines – ebenfalls eine Luftfahrtaktie, wie bei Lynch.

Der Kurs stieg daraufhin um das Dreifache, woraufhin Dalio seine Gewinne realisierte.

Anschließend studierte er an der Harvard Business School – und wurde damit erneut Mitschüler von Lynch.

Man könnte sagen, dass dieser außerordentlich intelligente Mensch eine nahezu identische frühe Lebensgeschichte wie Lynch durchlebt hat.

In den 1980er-Jahren divergierten jedoch die Karrierewege der beiden.

Lynch verfolgte eine Strategie diversifizierter Investitionen und nutzte gezielt Chancen bei Wachstumsaktien – ein wahrhaft genialer Ansatz;

Dagegen sah Dalio in Mexiko Schuldenprobleme aufkommen und nahm an, dass auch die US-Wirtschaft darunter leiden würde; er setzte daher auf einen Short-Trade – doch diese Einschätzung erwies sich als falsch, und er stand kurz vor dem finanziellen Ruin.

Dieser Sturz war für Dalio äußerst schmerzhaft.

Gerade weil es so schmerzte, begann er, sich selbst zu hinterfragen, und vertiefte sich konzentriert in das Werk „A Monetary History of the United States“ („Eine Geldgeschichte der Vereinigten Staaten“). Dabei analysierte und dekonstruierte er über ein Jahrhundert hinweg wirtschaftliche Krisen, Verschuldungsdaten sowie die Performance verschiedener Vermögenswerte.

In der Investmentbranche heißt es: „Unter der Sonne gibt es nichts Neues.“

Jede zyklische Schwankung oder jede neu verpackte Konzeption – egal wie exotisch ihre Variante auch sein mag – findet im historischen Kontext bereits eine Entsprechung.

Nur wer Geschichte und ihre Muster gründlich versteht, bleibt nicht von der momentanen Oberflächlichkeit geblendet, verliert nicht seine innere Orientierung und gerät nicht unvorbereitet in Panik.

Medienberichten zufolge ist Dalios Büro mit Büchern vollgestellt – insbesondere mit Werken zur Erforschung wirtschaftlicher Krisen, darunter Studien zur Großen Depression in den USA in den 1930er-Jahren, zur „verlorenen Dekade“ Japans in den 1990er-Jahren sowie zur Schuldenkrise Lateinamerikas.

Nach mehr als einem Jahrzehnt intensiver Forschung stellte Dalio 1996 seine „All Weather Strategy“ („Allwetter-Strategie“) vor:

Einfach ausgedrückt: Die Finanzmärkte unterliegen einem vierjährigen Zyklus – je nach wirtschaftlichem „Wetter“ bedarf es unterschiedlicher Asset-Allokationsstrategien.

In Phasen wirtschaftlichen Wachstums eignen sich Aktien, Rohstoffe sowie Vermögenswerte aus Schwellenländern;

In Rezessionsphasen sind Anleihen die geeignetere Wahl;

Bei hoher Inflation empfehlen sich Rohstoffe und Vermögenswerte aus Schwellenländern;

Bei niedriger Inflation sind sowohl Aktien als auch Anleihen geeignet.

Indem man kontinuierlich zwischen Risiken und Chancen wechselt und die Asset-Allokation entsprechend anpasst, gelingt es, mitten im Gewirr vieler Möglichkeiten unbeschadet hindurchzugehen.

Hinsichtlich seiner Anlagephilosophie ist Ray Dalios Blickweite makroökonomischer als die seiner Vorgänger.

Sein Horizont reicht auf den ersten Blick über ein Jahrhundert hinaus; er konzentriert sich nicht mehr auf kurzfristige Schwankungen einzelner Aktien, sondern setzt stattdessen auf die Zukunft ganzer Länder.

Im Jahr 2018 gründete Bridgewater offiziell seinen ersten chinesischen Hedgefonds und verlagerte schrittweise seine Positionen von den seit zehn Jahren im Aufwärtstrend befindlichen US-Aktien hin zu aufstrebenden Schwellenländern.