Laut ausländischen Medienberichten führt die US-amerikanische Kryptowährungsbörse Coinbase derzeit eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 500 Millionen US-Dollar durch, wodurch sich ihre Gesamtunternehmensbewertung auf 8 Milliarden US-Dollar beläuft.
Der beteiligte Investor Tiger Global ist ein in New York ansässiger Hedgefonds mit einer über 16-jährigen Geschichte und einem verwalteten Vermögen von insgesamt 22 Milliarden US-Dollar. Tiger Global investierte bereits in indische Unternehmen wie „Ola“ (die indische Version von „Didi“) und „Flipkart“ (die indische Version von „Amazon“) und erzielte dabei Gewinne im mehrstelligen Milliarden-US-Dollar-Bereich.

Sollte die Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen werden, könnte Coinbase zur weltweit höchstdotierten Kryptowährungsbörse werden und sich damit zu einem zentralen Akteur im Blockchain-Bereich entwickeln.
Die Entstehung eines Blockchain-„Unicorns“
Coinbase wurde im Jahr 2012 mit Sitz in San Francisco, USA, von Brian Armstrong, ehemaliger Ingenieur bei Airbnb, und Fred Ehrsam, ehemaliger Händler bei Goldman Sachs, gegründet.

Seit ihrer Gründung konnte Coinbase zahlreiche renommierte Investoren und Risikokapitalgeber gewinnen: Im Jahr 2013 erhielt Coinbase eine Investition von 5 Millionen US-Dollar durch Union Square Ventures (USV); im Dezember desselben Jahres folgte eine weitere gemeinsame Kapitalerhöhung in Höhe von 25 Millionen US-Dollar durch USV, Ribbit Capital sowie Andreessen Horowitz (A16Z).
Im Januar 2015 erhielt Coinbase eine Serie-C-Finanzierung in Höhe von 75 Millionen US-Dollar – dies war die erste Finanzierung dieser Größenordnung innerhalb der gesamten Blockchain-Branche. Die Runde wurde von Draper Fisher Jurvetson (DFJ) angeführt; an der Beteiligung nahmen außerdem Institutionen wie die New York Stock Exchange (NYSE), die United Services Automobile Association (USAA), der spanische Bankkonzern Banco Exterior, der japanische Telekommunikationsanbieter NTT Docomo, Valar Capital (gegründet vom ehemaligen CEO der Citigroup), Vikram Pandit sowie Tom Glocer, ehemaliger CEO von Thomson Reuters, teil. Die Unternehmensbewertung lag bei dieser Runde bei geschätzten 400 Millionen US-Dollar.
Am 27. Januar 2015 eröffnete Coinbase offiziell die erste regulär lizenzierte Kryptowährungs- (Bitcoin-)Börse der USA; im selben Jahr erreichte ihr Handelsvolumen zeitweise Platz eins weltweit.
Im Mai 2016 begann Coinbase, Dienstleistungen über seine GDAX-Plattform anzubieten, darunter auch den Handel mit Ethereum.
Im Januar 2017 erteilte die New Yorker Behörde für Finanzdienstleistungen (NYDFS) Coinbase eine Lizenz für den Betrieb einer Kryptowährungs-Handelsplattform, wodurch der Handel mit Bitcoin in New York legalisiert wurde; im März 2017 erhielt Coinbase zudem die Genehmigung der NYDFS, auch Litecoin- und Ethereum-Handel in New York anzubieten.

Aufgrund des explosionsartigen Wachstums von Coinbase stieg die Nutzerzahl der Plattform innerhalb weniger Jahre auf über 20 Millionen – eine Zahl, die nahezu derjenigen von Fidelity Investments entspricht und doppelt so hoch ist wie die von Charles Schwab, einem börsennotierten Unternehmen der New York Stock Exchange (NYSE). Letzteres verfügt über ein Gesamtvermögen von bis zu 67 Milliarden US-Dollar. Allerdings bleibt das verwaltete Kundenvermögen bei Coinbase deutlich kleiner.
Derzeit besteht die Mehrheit der Coinbase-Investoren weiterhin aus Privatanlegern; gleichzeitig bemüht sich das Unternehmen jedoch intensiv um die Gewinnung großer institutioneller Anleger wie Goldman Sachs.
Im August 2017 hieß es, dass Venture-Capital-Investoren Coinbase mittlerweile mit 1,6 Milliarden US-Dollar bewerteten – damit gehörte Coinbase offiziell zur Gruppe der sogenannten „Unicorns“ im Kryptowährungssektor. Später stieg die Bewertung infolge des steigenden Bitcoin-Kurses weiter an, was Coinbase einen Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar einbrachte.
Coinbase übt einen entscheidenden Einfluss auf den Kryptowährungsmarkt aus – nicht nur aufgrund ihrer Position als größte Börse der USA, sondern auch wegen ihres Status als regulierter, lizenzierter Handelsplatz.
Am 6. Juni 2018 kündigte Coinbase an, eine von der US-Regierung regulierte Kryptowährungs-Handelsplattform zu werden; die endgültige Genehmigung durch die zuständigen Bundesbehörden steht noch aus. Sobald diese erfolgt ist, wird Coinbase unter Aufsicht der US Securities and Exchange Commission (SEC) sowie der Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) Kryptowährungshandel anbieten dürfen.
Für neuartige Vermögenswerte wie Kryptowährungen stellt Sicherheit zweifellos die wichtigste Priorität dar. Um das Risiko einer katastrophalen Datenpanne möglichst gering zu halten, speichert Coinbase rund 98 % der Kundeneinlagen offline – also in sogenannten „Cold Wallets“. Der Rest dient als Liquiditätsreserve für den täglichen Handel.
Darüber hinaus hat Coinbase für seine Nutzer Versicherungsschutz bei Aon, dem weltweit größten Versicherungsdienstleister, abgeschlossen. Diese Police deckt sowohl physische als auch cyberbedingte Einbrüche in die Speicherserver ab und schützt somit vor Diebstahl von Bitcoin – ein weiterer wichtiger Schritt zur Risikominimierung für Nutzerhandel auf der Plattform.
„Googles Rolle im Krypto-Bereich“ übernehmen
Im Bereich der Kryptowährungen verfolgt Coinbase das Ziel, „Google des Krypto-Bereichs“ zu werden – ein öffentlich zugängliches und transparentes Finanzsystem für die ganze Welt zu schaffen.
Um neben dem reinen Kryptowährungshandel weitere Dienstleistungen anzubieten, verstärkte Coinbase seit 2018 ihre Akquisitionsaktivitäten.
Am 13. April kündigte Coinbase die Übernahme des Ethereum-Wallet-Browsers „Cipher“ an. Am 16. April verkündete das Unternehmen den Erwerb von Earn.com (früher bekannt als 21.co) für 100 Millionen US-Dollar. Earn.com ist ein Unternehmen, das Nutzern hilft, Kryptowährungen durch das Weiterleiten von E-Mails oder das Erfüllen bestimmter Aufgaben zu verdienen. Laut Berichten erhalten die Gründer und Investoren von Earn.com im Rahmen der Vereinbarung Anteile an Coinbase.
Im Juni erwarb Coinbase die Wertpapierhändler Keystone Capital, Venovate Marketplace sowie Digital Wealth LLC, um als vollständig durch die SEC und FINRA regulierte Kryptowährungsbörse tätig werden zu können. Durch diese Akquisitionen erhält Coinbase nun eine Lizenz für ein Alternatives Trading System (ATS) sowie die Zulassung als Registered Investment Advisor (RIA).
Am 15. August kündigte Coinbase die Übernahme des in San Francisco ansässigen Start-ups DistributedSystems an. Das Unternehmen DistributedSystems soll Coinbase dabei unterstützen, neue Authentifizierungsmethoden im Rahmen seines Vorhabens zur Entwicklung eines offenen Finanzsystems einzusetzen.
Analysten vermuten, dass Coinbase mit dieser Strategie vor allem technologisch fortschrittliche Produkte und qualifizierte Talente durch gezielte Akquisitionen gewinnen möchte, um sich schrittweise in eine One-Stop-Serviceplattform zu verwandeln, die ein dezentrales, offenes Finanzsystem aufbaut und globale Nutzer mit Kryptowährungshandelsdienstleistungen versorgt.
Kürzlich kündigte Coinbase zudem drei neue Funktionen an: „Coinbase Bundle“, das Nutzern einen gewichteten Pakethandel mit fünf Kryptowährungen ermöglicht; „Informational Asset Pages“, über die sich Informationen zu den 50 marktkapitalisierungsstärksten Kryptoassets abrufen lassen; sowie „Coinbase Learn“, eine Plattform zur Beantwortung grundlegender Nutzerfragen. Diese drei Funktionen vereinfachen gleichzeitig den Kryptowährungsinvestitionsprozess und stellen Kunden zusätzliche Anlageinformationen zur Verfügung.
Im Vergleich zu Binance, das nahezu 400 Handelspaare anbietet, listet Coinbase derzeit nur wenige führende Kryptowährungen wie BTC, Bitcoin Cash, ETH, Ethereum Classic und Litecoin.

Allerdings hat Coinbase begonnen, verstärkt neue Kryptowährungen auf die Plattform aufzunehmen – möglicherweise unter Erhebung einer Listing-Gebühr. Für neue Token werden sechs Bewertungskriterien herangezogen: Rechtliche Zulässigkeit und regulatorische Einhaltung, technische Aspekte, Marktversorgung, Marktnachfrage, Kryptoökonomisches Modell („CryptoEconomics“) sowie Übereinstimmung mit der Mission und den Werten von Coinbase.
Globalisierung vorantreiben – als nächster Schritt ein Börsengang?
Coinbase hat seit jeher konsequent an seinem Wachstum gearbeitet. Nachdem es sich zunächst innerhalb der USA als Marktführer etabliert hatte, expandierte das Unternehmen international: So wurde der Bitcoin-Handel in mehr als einem Dutzend europäischer Länder eingeführt, in Großbritannien wurde eine Bitcoin-Börse gegründet, und weitere Expansionen nach Asien sowie Lateinamerika sind geplant.
Darüber hinaus pflegt Coinbase aktiv externe Kooperationen – nicht nur mit renommierten Großunternehmen wie Dell, Expedia und Overstock, sondern auch zunehmend mit Finanzinstituten.
Bereits im Mai 2017 kündigte Skandiabanken, die größte norwegische Onlinebank, an, ihr Internetbanking-System mit Bitcoin-Konten zu verknüpfen; Kunden können direkt über die Bankwebsite auf Coinbase zugreifen und ihren Kryptowährungsbestand einsehen.
Am 6. März 2018 kündigte Coinbase den Launch ihres ersten Indexfonds an und betrat damit den Asset-Management-Sektor.
Das zukünftige Geschäftsmodell von Coinbase umfasst unter anderem: Kredite (z. B. Pfandkredite, Kleinkredite für Kleinunternehmen), Risikokapital (Seed-Investments, klassische VC-Finanzierungen, Risikokredite), Anlagen (Aktien, Indexfonds, Sparkonten), Identität & Reputation (digitale Identitätsnachweise, Authentifizierung, Kreditscores), Geldüberweisungen (grenzüberschreitende Transfers) sowie Merchant-Processing-Dienstleistungen (Einzelhandel, Online-Bestellungen).
Angesichts der jüngsten Finanzierungsrunde mit einer Unternehmensbewertung von bis zu 8 Milliarden US-Dollar gehen Branchenbeobachter davon aus, dass Coinbase keine weiteren externen Kapitalerhöhungen mehr vornehmen wird – diese Runde könnte somit die letzte vor einem Börsengang sein.

Angesichts der stets strengen Einhaltung regulatorischer Vorgaben durch Coinbase ist ein Börsengang mittlerweile weitgehend erwartet.
Wie Brian Armstrong, Gründer und CEO von Coinbase, betonte, generiert das Unternehmen bereits seit längerer Zeit Gewinne und strebt langfristig an, als börsennotiertes Unternehmen zu operieren.
