HashKey Capital邓超:区块链投资正在由“纯技术故事” 向 “商业故事”转变

Deng Chao von HashKey Capital: Blockchain-Investitionen wandeln sich vom „reinen Technologie-Story“ zum „Geschäfts-Story“

BroadChainBroadChain18.01.2020, 00:12
Dieser Inhalt wurde von KI übersetzt
Zusammenfassung

Deng Chao von HashKey Capital weist darauf hin, dass Blockchain-Investitionen sich gerade von einer „reinen Technologie-Story“ hin zu einer „Geschäfts-Story“ bewegen. Er vergleicht die aktuelle Entwicklungsphase der Blockchain mit dem Internet um das Jahr 2000: Die Technologie ist weitgehend ausgereift, doch breit angelegte Anwendungen benötigen noch Zeit. Der Fokus der Investitionen hat sich von frühen technologischen Experimenten hin zu konkreten geschäftlichen Anwendungen und finanziellen Eigenschaften verschoben. Die Branchenlandkarte umfasst den oberen Sektor (Chips, Mining-Geräte), den mittleren Sektor (Public Chains, Consortium Chains) sowie den unteren Sektor (DApps, Finanzanwendungen, vertikale Branchen).

Dieser Artikel fasst den Vortrag von Deng Chao (Managing Director von HashKey Capital) im zehnten öffentlichen Kurs der Wanxiang Blockchain Hive Academy zusammen.

Basierend auf den Investitionserfahrungen seines Teams gibt Deng Chao einen Überblick über die Blockchain-Industrielandschaft sowie zukünftige Investmenttrends.

Heute möchte ich vor allem aus der Perspektive eines Kapitalgebers erläutern, wie man die Blockchain betrachten kann. Dabei gehe ich auf Methoden, Rahmenwerke und konkrete Projekte ein – insgesamt vier Themenbereiche:

Erstens: Ein Branchenüberblick;

Zweitens: Die Industrielandschaft (unterteilt in obere, mittlere und untere Wertschöpfungsstufe);

Drittens: Investment und Vermögensverwaltung;

Viertens: Trends, Themen und Ausblick.

Einige dieser Punkte basieren auf Erfahrungen und Erkenntnissen, die ich in den vergangenen anderthalb Jahren bei der Prüfung und Finanzierung verschiedener Projekte gesammelt habe – diese möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Branchenüberblick

Aus allgemeiner Investmentperspektive vergleichen wir den aktuellen Entwicklungsstand der Blockchain oft mit dem des Internets um das Jahr 2000. Bei einer Veranstaltung in Singapur hatte ich Gelegenheit, mit mehreren erfahrenen Vertretern der traditionellen Investmentbranche zu sprechen. Ich fragte sie nach Parallelen zwischen ihren damaligen Internet-Investments und heutigen Blockchain-Investments: Gibt es solche? Und wenn ja, wo würden wir zeitlich einordnen? Einer von ihnen schätzte den Zeitpunkt auf etwa 2001 – daher ist der Vergleich durchaus angemessen.

Was die technische Reife betrifft: Ich erinnere mich noch, dass Webseiten während meines Studiums oft 30 Sekunden bis eine Minute zum Laden brauchten; bei Bildern dauerte es noch länger. Die aktuelle Reife der Blockchain-Technologie befindet sich ungefähr auf diesem Niveau: Das System funktioniert, aber wie schnell und leistungsfähig es wirklich ist, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Aus Nutzersicht lag die Zahl der Internetnutzer um das Jahr 2000 bei drei bis vier Milliarden. Aktuell schätzen wir die weltweite Zahl der Blockchain-Nutzer grob auf 40–50 Millionen – also ein sehr frühes Stadium. Kommerzielle Anwendungen existieren bereits in Ansätzen, doch eine breite Marktdurchdringung steht noch aus.

Aus Investmentsicht war die Internet-Blase um das Jahr 2000 vergleichbar mit der Blockchain-Blase der Jahre 2016 und 2017. Nach dem Platzen der Blase folgte eine „Winterphase“. In dieser Phase entwickelt sich die Technologie von einer noch unausgereiften hin zu einer zunehmend robusten Lösung; kommerzielle Anwendungen bewegen sich von ersten Experimenten hin zu möglichen Massenanwendungen; und auch die Investmenttätigkeit wandelt sich vom Spekulationshype hin zu einer evolutionären Branchenentwicklung. Genau dies ist ein vielversprechender Zeitpunkt für Investments.

Blockchain und Internet weisen zwar Ähnlichkeiten auf, unterscheiden sich aber auch grundlegend. Bei der Entstehung des Internets machte die technische Dimension rund 90 % aus, während die finanzielle Dimension lediglich 10 % betrug. Bei der Blockchain hingegen ist die finanzielle und investmentbezogene Dimension von Anfang an integraler Bestandteil – neben der rein technischen Seite.

Im Folgenden möchte ich einige dieser Dimensionen näher beleuchten.

Industrielle Dimension

Multicoin hat 2018 aus technischer Sicht eine Unterteilung der Blockchain-Technologie vorgenommen: Beginnend mit dem untersten Layer 0 (Internet-Kommunikationsprotokolle), gefolgt von Layer 1, dann den Zwischenschichten (Protokollschicht) und schließlich der Anwendungsschicht (Application Layer). Von den Internet-Kommunikationsprotokollen über blockchain-spezifische Protokolle bis hin zu Zwischenschichten und Anwendungen – jede Schicht umfasst wiederum zahlreiche Spezialgebiete. So beinhaltet beispielsweise die Smart-Contract-Schicht verschiedene Protokolle sowie darauf aufbauende Anwendungen; außerhalb der Blockchain („off-chain“) existieren zudem Kanäle usw. Viele dieser technischen Begriffe sind Ihnen sicher geläufig; rund um diese Spezialgebiete entstehen jeweils eigene Projekte. Wie in der Frühphase des Internets beschäftigten sich damals einige mit Browsern oder E-Mail-Diensten – weit entfernt von einer kommerziellen Phase.

Unicom Watch nimmt eine noch weiter gefasste Unterteilung vor – insgesamt vier Schichten (eigentlich sogar fünf, da unter „Smart Contract“ noch Layer 0 als Internet-Kommunikationsprotokoll eingefügt wird). Die Zwischenschicht verbessert Vertrauenswürdigkeit, Interoperabilität, Cross-Chain-Funktionen und Privacy-Computing auf Layer 1. Layer 3 umfasst native Blockchain-Systeme und -Dienste; Layer 4 stellt die kommerzielle Anwendung der Blockchain-Technologie dar – wobei viele dieser Anwendungen finanzbezogen sind.

HashKey Capital verwendet bei seinen Investmententscheidungen eine vereinfachte Einteilung: Wir gliedern alle blockchain-bezogenen Bereiche in vier Hauptfelder. Die unterste Stufe bildet die Infrastruktur – inklusive Layer 0 und Layer 1. Die mittlere Schicht entspricht der oben genannten Unterteilung und umfasst Projekte und Anwendungen, die die Leistungsfähigkeit und Funktionalität der Basisinfrastruktur erweitern. Die dritte Ebene umfasst breit definierte Blockchain-Anwendungen – etwa in spezifischen Branchen – vergleichbar mit kommerziellen Internet-Anwendungen. Die vierte Ebene bildet innerhalb der Branche den Bereich der blockchain-basierten Finanzdienstleistungen, den wir separat hervorheben. Aus geschäftlicher Sicht dominiert hier die finanzielle Dimension – dazu zählen Infrastruktur-, Sicherheits-, Custody- und Compliance-Plattformen u. a.

Industrielandschaft

Oben haben wir bereits eine grobe Unterteilung nach oberer, mittlerer und unterer Wertschöpfungsstufe vorgenommen. Wie andere Technologien auch, entstand die Blockchain zunächst im akademischen Bereich – von der wissenschaftlichen Publikation über die technische Umsetzung, Laborexperimente und Diskussionen zur kommerziellen Anwendung bis hin zur breiten Markteinführung.

Was stellt die obere Wertschöpfungsstufe dar? Hier geht es um alles, was mit „Mining“ zusammenhängt – also angefangen bei Chips, über Mining-Hardware bis hin zu Mining-Pools. Die mittlere Stufe umfasst sämtliche Projekte und Anwendungen rund um die Blockchain-Technologie. Die untere Stufe bildet die Anwendungsebene – gemeint sind vertikale Branchenanwendungen. Blockchain-Anwendungen unterscheiden sich von herkömmlichen Anwendungen: Ein Vergleich mit dem Internet wäre etwa Alipay, WeChat Pay oder Bankzahlungen – traditionelle Bankdienstleistungen fungieren hier als Grundinfrastruktur. Doch anders als klassische Bankdienstleistungen handelt es sich um neue Anwendungsszenarien im Internet-Zeitalter. Genauso verhält es sich mit der Blockchain: DApps ähneln zwar traditionellen Geschäftsmodellen, sind jedoch vollständig in das Blockchain-Ökosystem integriert.

Obere Wertschöpfungsstufe

Die obere Wertschöpfungsstufe der Blockchain-Branche ähnelt stark der Elektronikindustrie – Kapital- und Technologieintensität stehen im Vordergrund. Im „Mining“-Bereich liegt der Kern nicht in der Mining-Hardware selbst, sondern in den Chips. Denn die Kosten sind extrem hoch und die Produktionskapazitäten werden von wenigen Großunternehmen dominiert. Sobald einige Mining-Hardware-Unternehmen die Chip-Quellen und Fertigungslinien kontrollieren, bleibt für Konkurrenten kaum noch Spielraum.

Die Herstellung von Mining-Hardware ähnelt der Elektronikproduktion. Sichuan wird als „Mining-Hauptstadt“ bezeichnet: Etwa 60 % der weltweiten Mining-Rechenleistung entfällt auf China, davon allein 50 % auf Sichuan. Der Großteil der Mining-Hardware wird in Shenzhen produziert. Im zweiten Halbjahr 2019 besuchte ich zahlreiche Unternehmen in der Umgebung von Shenzhen, die sich mit der Produktion von Mining-Hardware beschäftigen – dort gibt es etwa dreißig solcher Firmen.

Mittlere Wertschöpfungsstufe

Zu den Public Blockchains zählen Ethereum, Cosmos usw. Consortium Blockchains wurden 2016 häufig diskutiert, danach weniger – 2017 und 2018 rückten sie etwas in den Hintergrund. Erst kürzlich, als die Blockchain-Technologie in China zur nationalen Strategie erklärt wurde, gewannen Consortium Blockchains wieder an Aufmerksamkeit. Tatsächlich existierten bereits 2016 recht ausgereifte Consortium Blockchains – allerdings fehlten damals geeignete kommerzielle Einsatzszenarien.

Untere Wertschöpfungsstufe

Wir unterscheiden drei Richtungen:

Erstens: DApps – am wenigsten mit realwirtschaftlichen Geschäftsaktivitäten verknüpft, rein nativ auf der Blockchain basierend.

Zweitens: Blockchain-basierte Finanzdienstleistungen – aktuell noch im Vergleich mit traditionellen Finanzgeschäftsmodellen und -rahmenwerken, wobei die zugrundeliegenden Vermögenswerte jedoch blockchain-basiert sind.

Drittens: Vertikale Branchenanwendungen – hier gibt es zahlreiche Beispiele; Wanxiang Blockchain hat bereits praktische Implementierungen vorgenommen, etwa im Bereich Supply-Chain-Finanzierung oder Automobil-Supply-Chain.

Investment und Vermögensverwaltung

Ich möchte nun erläutern, wie wir aus Investmentsicht den Markt einteilen und welche praktischen Schritte wir dabei befolgen.

Wie wählen wir Projekte aus? Unsere Auswahlkriterien stammen nicht von Blockchain-Investmentfirmen – vielmehr orientieren wir uns an bewährten Praktiken renommierter traditioneller Venture-Capital- und Asset-Management-Firmen. Diese Methoden sind seit Jahrzehnten erprobt und etabliert – von der Projektidentifikation über den Investmentprozess bis hin zum Post-Investment-Management und Exit. Der gesamte Prozess gleicht dem traditioneller VC- und PE-Firmen. Der Unterschied liegt lediglich in den spezifischen Merkmalen der Blockchain-Technologie und -Projekte – etwa ihrer starken Community-Orientierung.

Wir pflegen einerseits enge Kontakte zur Community, andererseits nutzen wir unser eigenes Research-Rahmenwerk, um zu analysieren, welche Projekte derzeit besonders gut abschneiden und welche Vor- und Nachteile sie aufweisen. Basierend auf diesen Ergebnissen entscheiden wir, welche Projekte wir kontaktieren möchten. Als HashKey Capital Ende 2018 gegründet wurde, war der Markt noch völlig unbekannt mit uns – wir mussten bei Null anfangen. Um gute Projekte zu finden, mussten wir zunächst klar kommunizieren, wer wir sind, welchen Mehrwert wir bieten können und über welche Ressourcen wir verfügen.

Nur wenn wir Projekten echten Mehrwert bieten, erkennen sie uns als Partner an. HashKey Capital legt großen Wert auf Compliance: Ob die lokalen Aufsichtsbehörden uns anerkennen und ob unsere Lizenzierung international anerkannt ist, spielt eine entscheidende Rolle. Bis heute haben wir gute Beziehungen zu führenden Investmentfirmen und Communities in allen wichtigen Regionen weltweit aufgebaut. Zur Veranschaulichung: Letztes Jahr sichtete unser Team insgesamt über 550 Projekte und investierte in mehr als zwanzig – deren Performance war durchweg hervorragend.

Trends, Themen und Ausblick

Ich möchte nun einige Erfahrungen und Erkenntnisse teilen, die unser Team im vergangenen Jahr gesammelt hat.

Allgemeine Trends

In China wird Blockchain selten direkt als eigenständige Branche wahrgenommen – erstens ist sie noch zu klein, zweitens noch zu wenig ausgereift. Die meisten sprechen stattdessen vom „Blockchain-Bereich“. Auch international ist selten von der „Blockchain-Industry“ die Rede – üblich ist vielmehr der Begriff „Space“. Wenn wir uns selbst fragen: Ist Blockchain bereits in der breiten Öffentlichkeit präsent? Die Antwort lautet ja. Ist Blockchain bereits eine etablierte Branche? Die Antwort lautet definitiv nein – zumindest momentan noch nicht.

Der Entwicklungsstand der Blockchain ist noch sehr früh – gemäß klassischen VC-Standards befinden sich die meisten Projekte vor der Series-A-Runde, wobei Seed- und Angel-Runden dominieren. Unter „Seed“ und „Angel“ verstehen wir Phasen, in denen die Technologie noch nicht vollständig validiert ist – geschweige denn ein funktionierendes Geschäftsmodell vorliegt.

Der Blockchain-Investmentsektor hat sich von ursprünglich dezentralen, community-getragenen Initiativen hin zu einer VC-dominierten Landschaft gewandelt – der Wendepunkt war 2018.

Investmentthemen

Es lassen sich einige dominierende technische Schwerpunkte identifizieren:

1. Die Bitcoin-Technologie-Ökosysteme – etwa Mining, Kreditvergabe, Versicherungen oder das Lightning Network.

2. Das Ethereum-Ökosystem – aktuell das wettbewerbsfähigste aller Blockchain-Netzwerke, sowohl hinsichtlich der Entwicklerzahl, der Ökosystem-Vielfalt als auch der technischen Reife.

3. Das Proof-of-Stake-(PoS)-Ökosystem sowie Cross-Chain-Lösungen – beide haben zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten hervorgebracht.

Investmentrichtungen

Ich empfehle Ihnen den Artikel „A Brief History of Web3.0“: Was genau soll Web3.0 erreichen? Die volle Kontrolle des Einzelnen über seine Daten, Vermögenswerte und sein Vermögen. Projekte, die heute von Dezentralisierung und Distributed Systems sprechen, fallen im weiteren Sinne alle unter Web3.0. In China dominieren hingegen Consortium Blockchains – hier ergeben sich in zahlreichen Branchen und Spezialgebieten vielfältige Chancen.

Methodik, Hot Topics, Trends und mehr

Der historische Kontext der Blockchain wurde bisher stark internetorientiert dargestellt. Hier möchte ich zwei Bücher empfehlen:

„This Time is Different“ – jedes Mal, wenn eine neue Welle oder Investitionsmöglichkeit aufkommt, glauben Menschen subjektiv, dass diesmal alles anders sei. Zwar mag ein bestimmtes Investmentobjekt in einer Phase technisch, geschäftlich oder gesellschaftlich anders sein – doch betrachtet man den größeren gesellschaftlichen Kontext, zeigt sich oft, dass sich nicht so viel geändert hat.

„The Silicon Valley Century“ – beginnend mit der Zeit, als Silicon Valley noch landwirtschaftliche Flächen waren, erzählt das Buch die Geschichte von Halbleitern über die Internet-Blase bis hin zur Internet-Wirtschaft: Wie entstehen neue Ideen? Wie gelingen technologische Durchbrüche? Wie erfolgt die Kommerzialisierung? Und wie lässt sich Technologie durch Geschäftsmodelle massenhaft verbreiten?

Dieser breitere Kontext erleichtert das Verständnis von Blockchain-Investments. In der 800-jährigen Geschichte der Finanzinvestitionen wird Blockchain wahrscheinlich ebenfalls eine Blasenphase durchlaufen. Aus geschäftlicher Sicht kreisen Spekulation und Investment stets um die Frage, wie Technologie breitflächig angewendet und kommerzialisiert werden kann. Bezogen auf die vergangenen hundert Jahre in Silicon Valley – von der akademischen Forschung über Laborexperimente und frühe kommerzielle Versuche bis hin zur Massenkommerzialisierung und schließlich regulatorischer Mitwirkung zur Branchenregulierung – sind wir überzeugt, dass Blockchain einen ähnlichen Weg gehen wird.

Beim Investment geht es um die große Richtung: Unter den Voraussetzungen von Compliance, technischer Korrektheit, einem zuverlässigen Team und einer grundsätzlich sinnvollen Ausrichtung bewerten viele Teams ihre Projekte sehr detailliert – sogar mit Bewertungsrastern für einzelne Dimensionen wie technische Reife oder Geschäftssinn des Teams – und entscheiden letztlich auf Basis der Gesamtpunktzahl. Ob traditionelle PE/VC-Firmen oder Blockchain-Investoren: Es gibt kein einzelnes, universelles Bewertungskriterium – vielmehr orientiert man sich an der Gesamtrichtung: Teamhintergrund, technisches Niveau, Geschäftsmodell etc. In China ergeben sich vor einer klaren Regulierung zahlreiche Chancen; sobald die Aufsichtsbehörden nach der Abwicklung des P2P-Marktes intensiver in den Blockchain-Bereich eingreifen, wird dieser Sektor zweifellos klarer und regulierter werden.

Im Folgenden werde ich anhand konkreter Projekte meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Idealismus vs. Realismus: Fallbeispiel – Lightnet

HashKey hat dieses Projekt in Südostasien finanziert. In Thailand überweisen viele Gastarbeiter Geld in ihre Heimatländer (andere Länder Südostasiens). Bei traditionellen Überweisungswegen liegen die Kosten bei 8–10 % oder sogar höher. Der Prozess umfasst meist 8–9 Institutionen und dauert drei Arbeitstage bis eine Woche – oder noch länger. Nehmen wir an, ein Arbeiter überweist 100 US-Dollar: Seine Familie erhält das Geld erst nach einer Woche – nach Abzug sämtlicher Gebühren bleiben vielleicht nur noch 82 Dollar übrig.

Lightnet nutzt das bestehende Netzwerk von Convenience Stores und ergänzt es um ein auf Blockchain basierendes Clearing- und Settlement-System – selbstverständlich unter Einhaltung lokaler Devisenkontrollvorschriften. Der Arbeitnehmer muss lediglich in den nächsten Convenience Store gehen, Betrag und Empfängeradresse angeben – und den nächstgelegenen Empfangsstore auswählen. Technisch gesehen erfolgt die Transaktion innerhalb weniger Sekunden; operationell dauert es einige Minuten bis Stunden – bei nur einem Zehntel der Kosten und einer Beschleunigung von Tagen auf maximal einige Stunden (mindestens Sekunden).

Dieses Modell bietet großes Potenzial in Regionen mit unterentwickelter Finanzinfrastruktur oder hohen grenzüberschreitenden Überweisungskosten. Das Team besteht ausschließlich aus Geschäftsleuten; die technische Umsetzung erfolgt über Kooperationen mit externen Technologieanbietern.

Themenorientiert vs. Ökosystemorientiert: Fallbeispiel – AlphaWallet

Sollte man themenorientiert oder ökosystemorientiert investieren? Seit 2016 gab es zahlreiche neue Themen und „Hot Topics“ – einige überlebten sechs Monate bis ein Jahr, andere verloren bereits nach zwei Monaten jegliches Interesse. Der Blockchain-Bereich ähnelt in gewissem Maße traditionellen PE/VC-Märkten – in klassischen Technologieinvestments wird die Entwicklung meist jährlich gemessen. Ich selbst beschäftige mich seit 2012 mit Fintech und war an entsprechenden Investments beteiligt.

2012 standen Big Data, Cloud Computing, VR, AR und 3D-Druck im Fokus. Wenn eine Technologie funktionierte oder kommerziell nutzbar war, dauerte es ein bis zwei Jahre – bei Blockchain hingegen verkürzt sich dieser Zyklus von Jahren auf Monate. HashKey Capital versteht sich daher primär als Ökosystem-Investor: Wir fokussieren uns auf das gesamte Ökosystem und verfolgen nicht blind einzelne Themen, sondern investieren gezielt entlang der Entwicklungslinien – AlphaWallet ist beispielsweise ein zukünftiger Zugangspunkt zu Vermögenswerten in der Web3.0-Welt.

Geschäft vs. Technologie: Fallbeispiel – Tassat

Soll man in Technologie oder in Geschäftsmodelle investieren? Tassat bietet Finanzinstituten und Banken eine Technologieplattform zur Tokenisierung von Vermögenswerten und stellt Partnern eine auf Blockchain-Technologie basierende Infrastruktur zur Verfügung. Alle Mitglieder von Tassat stammen aus dem traditionellen Geschäftssektor – ihr Ziel ist nicht bloß technologischer Fortschritt, sondern die geschäftliche Umsetzung mittels Technologie.

Aus methodischer Sicht möchte ich nun einige Bereiche nennen, die HashKey Capital neben den derzeit marktüblichen „Hot Topics“ gleichermaßen wichtig findet.

Benutzerfreundlichkeit

Seit etwa 2017 legt Ethereum verstärkt Wert auf „User Experience“. Vorher richteten sich die meisten Blockchain-Anwendungen fast ausschließlich an technisch versierte Nutzer. ZenGo ist ein israelisches Projekt – ich schätze israelische Gründer sehr: Sie sind pragmatisch, sprechen nicht nur über Technologie, sondern darüber, wie einfach und direkt eine Anwendung genutzt werden kann. Diese Wallet basiert auf MPC-Signaturen und ermöglicht es Nutzern, ohne Passwort oder private Schlüssel auszukommen – sie wird einfach über das aktuelle Apple iOS-System heruntergeladen, und sämtliche Operationen laufen wie bei einem herkömmlichen Internet-Produkt ab. Ihre Pragmatik zeigt sich darin, dass sie sich an der tatsächlichen technischen Kompetenz ihrer Nutzer orientieren – statt diese erst mühsam auszubilden.

Entwicklerfreundlichkeit

Die Blockchain-Branche steht vor einem grundlegenden Engpass: Jede öffentliche Blockchain strebt nach einem lebendigen Ökosystem, das auf Projekten und Anwendungen aufbaut. Doch wer entwickelt diese Projekte und Anwendungen? Die Antwort sind Entwickler. Wie viele Blockchain-Entwickler gibt es weltweit? Ethereum soll über mehr als 200.000 verfügen. Bei anderen öffentlichen Blockchains sind es oft nur einige Dutzend oder wenige Hundert. Warum zögern so viele Entwickler, auf einer bestimmten Blockchain-Plattform zu entwickeln? Weil der Aufbau der notwendigen Plattform und Entwicklungsumgebung oft zu komplex ist.

Genau hier setzt ChainIDE an: Das Unternehmen hat bereits Entwicklungsplattformen für fast 15 Blockchains weltweit bereitgestellt und war zudem weltweit das erste Unternehmen, das an der Entwicklung der Libra-Plattform beteiligt war. Parallel dazu arbeitet ChainIDE mit Hochschulen zusammen, um Blockchain-Kurse einzurichten. Studierende erhalten so direkt Lehrmaterialien und müssen ihre Entwicklungsumgebung nicht mehr mühsam selbst aufsetzen.

Zugang

Eine Lösung für das allgemeine Verständnis von Blockchain und den Zugang zu ihren Anwendungen. Ein gutes Beispiel ist Blockfolio mit etwa 5–6 Millionen Nutzern.

Regulatorische Konformität

Blockstack hat die Genehmigung der US-Börsenaufsicht SEC erhalten und das Team hat eine starke Erfolgsbilanz. In unseren vielen Gesprächen mit traditionellen Investoren in Hongkong und Singapur zeigt sich ein entscheidendes Hindernis für deren Einstieg in den Blockchain-Bereich: die regulatorische Konformität. Sobald es jedoch einen konformen Marktzugang gibt, sind sie durchaus bereit, einen Teil ihres Vermögens in Blockchain-Technologien zu investieren.

Wann wird Blockchain als Technologie von der breiten Öffentlichkeit und im Mainstream genutzt – und wann wird sie im institutionellen Vermögensmanagement Einzug halten? Hier sind meine persönlichen Einschätzungen:

1. Es gibt keine „kleinen“ Projekte.

Nehmen wir das kürzlich in den Nachrichten erwähnte Projekt Maskbook: Ursprünglich startete es als Verschlüsselungs-Plugin für Facebook und Twitter. Bei sozialen Medien ist das Risiko von Datenlecks besonders hoch, und die Datensouveränität liegt weitgehend bei großen Internetkonzernen. Ein Plugin, das alle Informationen verschlüsselt, entspricht genau der ursprünglichen Vision technikbegeisterter Enthusiasten: die Rückgabe der Datensouveränität von großen Internetunternehmen an die Nutzer.

In Gesprächen mit dem Team stellten wir jedoch fest, dass ihr Ansatz zu eng gefasst war. Sie starteten mit einem kleinen Plugin und positionierten sich bewusst im Widerspruch zu etablierten Geschäftsmodellen. Unser Vorschlag war daher, Maskbook als Brücke zwischen Web 2.0 und Web 3.0 zu nutzen – also alle bestehenden Web-2.0-Dienstleistungsmodelle schrittweise in das Web 3.0 zu überführen. Maskbook erfüllt unsere Kriterien für Web 3.0: Daten, Vermögenswerte und Reichtum gehören vollständig dem Nutzer. Statt nur langsam Geschäftsmodelle und Nutzer in diese Richtung zu führen, empfehlen wir einen höheren architektonischen Ansatz: die Integration aller bestehenden Web-2.0-Dienste in eine übergreifende Plattform.

2. Es gibt keine „teuren“ Projekte.

In der Frühphase der Blockchain-Branche basierten Bewertungen oft auf Verhandlungen zwischen Investmentfirmen und Projekten – ein „Fühlen nach Steinen beim Überqueren eines Flusses“, bei dem beide Seiten letztlich stillschweigend eine Einigung erzielten. Zwar gab es grobe Vergleichsgrößen wie Unternehmensgröße oder Bewertungsbereiche, doch ein konkretes Bewertungsmodell fehlte.

Warum gibt es also keine „teuren“ Projekte? Weil die Bewertung in verschiedenen Projektphasen von zahlreichen Faktoren abhängt – manche davon werden von Investmentfirmen möglicherweise übersehen. PlatON ist ein äußerst anspruchsvolles MPC-Projekt, für dessen Dienstleistungen beispielsweise JPMorgan bereit wäre, zu bezahlen. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Projekt grundsätzlich als wertvoll erkannt wird, ist es im Frühstadium wenig sinnvoll, sich darüber zu streiten, ob seine Bewertung nun 10 oder 15 Millionen US-Dollar beträgt. Wer die strategische Richtung des Projekts erkennt, sollte mutig investieren – genau wie wir bei PlatON: Entscheidend ist die große Linie.

3. Es gibt keine „perfekten“ Projekte.

Bei technisch orientierten Projekten spielt die kommerzielle Dimension oft eine geringere Rolle; bei stark kommerziell ausgerichteten Projekten hingegen treten andere Aspekte in den Hintergrund. Grundsätzlich reicht es aus, wenn das Geschäftsmodell funktioniert.

In der Frühphase gibt es kein Projekt, das in allen Dimensionen – Technik, Team, Ressourcen, Geschäftsmodell – perfekt oder gar herausragend ist. Erfolgreiche Projekte werden von vielen Seiten umworben. Wäre ein Projekt bereits „perfekt“, was könnten Sie ihm dann noch bieten? Bei unseren Investitionsentscheidungen suchen wir daher nicht primär nach Schwachstellen: Jedes Projekt hat welche. Stattdessen gehen wir mit Ressourcen und Lösungsvorschlägen auf die Projekte zu – und investieren gezielt mit konkreten Unterstützungsangeboten.

Zusammenfassung und Ausblick

Abschließend möchte ich einige Schlussfolgerungen und Perspektiven teilen.

2019 wurde als das Jahr bezeichnet, in dem „professionelle Akteure“ den Markt betraten – das Jahr, in dem die großflächige Kommerzialisierung beginnen sollte. Gemessen am aktuellen Marktvolumen, den verfügbaren Mitteln, Ressourcen und Anwendungsfällen ist dies jedoch noch nicht der Fall. Aus Sicht der Investmentbranche haben traditionelle Groß-Venture-Capital-Firmen und Finanzinstitute bisher noch nicht massiv investiert. Sollten diese „professionellen Akteure“ tatsächlich in großem Umfang eintreten – wo liegen dann die Wettbewerbsvorteile der heutigen Branchenteilnehmer? HashKey Capital investiert 100 bis 200 Millionen US-Dollar; ein großes Finanzinstitut könnte jedoch leicht ein Volumen erreichen, das um eine Größenordnung höher liegt. Wo liegen dann unsere Ressourcenvorteile? Bei branchenspezifischen Anwendungsfällen besitzen große Institutionen von Natur aus klare Einsatzszenarien – welche Vorteile bietet dann ein einzelnes, unabhängiges Blockchain-Projekt? Wir sollten uns vom gegenwärtigen „Frühlingswind“ nicht blenden lassen, sondern nüchtern bleiben, sauberen Code schreiben und echte Geschäftsmodelle entwickeln – nur so können wir rechtzeitig vor dem Einzug der „professionellen Akteure“ unsere eigenen Wettbewerbsvorteile aufbauen.

Die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2019 waren zweifellos dieser „Frühlingswind“ sowie Libra. Libra ist eine Anwendung für Endnutzer (C-Ende), während JP Morgan eine Geschäftskunden-Anwendung (B-Ende) entwickelt. Sollte das JP-Morgan-Netzwerk wachsen, könnte dies eine hervorragende praktische Implementierung im Bereich der Konsortial-Blockchain für Institutionen darstellen.

Im Jahr 2020 wird sich im Investmentbereich Professionalisierung als klarer Trend durchsetzen: Professionelle Investmentfirmen mit fundierten Fähigkeiten und Netzwerken – sowohl zur Identifikation und Finanzierung exzellenter Projekte als auch zur aktiven Unterstützung ihres Wachstums – werden zunehmend bevorzugt. Regulatorische Konformität ist ebenfalls zwingend erforderlich und unaufhaltsam: Blockchain-Investmentfirmen müssen sich an bewährten traditionellen Investmentfirmen orientieren, standardisierte Geschäftsprozesse aufbauen, ihren Betrieb gemäß lokalen regulatorischen Rahmenbedingungen gestalten und die erforderlichen Genehmigungen der Aufsichtsbehörden einholen.

Die Blockchain-Technologie besteht mittlerweile seit zehn Jahren; der Schwerpunkt der Investitionen hat sich dabei von rein technischen Narrativen hin zu kommerziellen Anwendungsgeschichten verschoben. Investoren legen zunehmend Wert auf reale Geschäftsmöglichkeiten, die auf Blockchain-Technologie basieren.

Ein Ausblick auf das Jahr 2020: Wir prognostizieren, dass die globale Zahl echter Blockchain-Nutzer die Marke von 100 Millionen überschreiten und der Gesamtwert digitaler Vermögenswerte die Schwelle von einer Billion US-Dollar überschreiten wird.

Die Blockchain-Welt wird derzeit von zwei Kräften dominiert: China und den USA – allgemeiner formuliert, der chinesischsprachigen und der englischsprachigen Community. Ab 2020 dürfte sich diese Zweiteilung des Marktes noch deutlicher manifestieren.