Der Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonas kann zwei Wochen später in Texas einen Tornado auslösen.
Heute hat ein solcher Flügelschlag einen globalen „Finanzsturm“ entfacht: Was zunächst wie eine biologische Krise aussah, entpuppte sich als massive Finanzmarktturbulenz. Der Ölpreis brach über Nacht um 30 % ein; der US-Aktienmarkt löste zum zweiten Mal seit 1997 die Handelspausen („Circuit Breaker“) aus.
Von diesem düsteren Finanzumfeld blieb auch Bitcoin nicht verschont: Innerhalb von vier Wochen fiel der Kurs von einem Hoch bei 10.500 USD auf ein Tief von 7.638 USD – ein Minus von 27,25 %. Daten des Plattformanbieters „Contract Emperor“ zeigen, dass im Futures-Markt innerhalb eines Monats zahlreiche Long-Positionen liquidiert wurden; die Gesamtsumme belief sich auf mehrere Milliarden US-Dollar. Wohin steuert Bitcoin? Ist dies die dunkelste Stunde vor der Dämmerung – oder erst der Vorbote einer langen Nacht?
In dieser Ausgabe von Shenlian Finance begrüßen wir vier renommierte Marktanalysten: Xiao Dingdang, Mitgründer von „Contract Emperor“; Andy, einen bekannten Kryptoanalysten; Huang Han, Gründer des unabhängigen Analysekanals „Bishichao Pan Shou“; sowie Laoye, Gründer des Analystenkanals „Laoye Jiepan“.
Im Folgenden finden Sie das redaktionell bearbeitete Gesprächsprotokoll.
Shenlian Finance: Erste Frage: Wir sind der Meinung, dass Analysten nicht nur theoretisieren, sondern auch ihre Positionen zeigen sollten – „SHOW ME YOUR POSITION“. In einer Phase solch massiver Kursverluste interessiert uns: Wie sind die einzelnen Gäste durchgekommen? Was war die Logik hinter Ihren Entscheidungen?
Xiao Dingdang: 1. Ich bin bei 9.100 USD long gegangen. Da ich bei 9.2xx USD keinen Gewinn mitgenommen habe, wurde mein Stop-Loss bei 9.050 USD ausgelöst. Wie links unten zu sehen, verlor ich dabei 0,04 BTC. 2. Als der Kurs auf 8.960 USD zurückfiel – ein Level, an dem er zuvor mehrfach gescheitert war – bin ich, wie rechts dargestellt, bei 9.000 USD short gegangen.

Ich gewann 1,68 BTC und eröffnete zudem Positionen auf Binance und OKEx.

Meine Entscheidungslogik war folgende: 1. Warum ich bei 9.100 USD long eingestiegen bin; 2. Warum ich bei 8.9xx USD short gegangen bin (linkes Bild); 3. Warum ich diese Position halten konnte (rechtes Bild).

Andy: Bei mir lief es in letzter Zeit leider nicht gut – ich wurde komplett überrascht.
Die jüngste Aufwärtsbewegung konnte ich jedoch nutzen: Ab 6.500 USD kaufte ich Spot-BTC; ab 6.900 USD ging ich Futures-Longs ein und schloss sie bei 8.400 USD. Anschließend eröffnete ich neue Longs bei 8.400 USD und 8.770 USD und nahm den Gewinn bei 10.200 USD mit. Beim Wechsel zu einer neuen Plattform ging ich jedoch erneut bei 10.200 USD long – und musste diese Position beim Absturz auf 8.888 USD stoppen. Dadurch verlor ich 30 % meiner vorherigen Gewinne. Vor einigen Tagen kaufte ich erneut zwischen 8.600 USD und 8.500 USD, erhöhte meine Position zwischen 8.800 USD und 8.700 USD – und wurde gestern bei 8.650 USD komplett gestoppt. Ein schwerer Fehler! Dennoch ist mein Kapital weitgehend intakt: Im Futures-Markt verbleiben Gewinne, und auch im Spot-Markt bin ich insgesamt im Plus.
Meine Handlungslogik basierte auf technischen Chartmustern, der Marktstimmung und der Trendrichtung – ergänzt durch makroökonomische Grundlagen. Allerdings unterschätzte ich den Druck auf die globale Wirtschaft durch die Krise. Dadurch verpasste ich die Chance, rechtzeitig short zu gehen – stattdessen eröffnete ich sogar Longs, die dann gestoppt wurden. Dafür muss ich mich selbst kritisieren; erst gestern habe ich eine Selbstreflexion verfasst. Dennoch bin ich überzeugt, dass sowohl die Pandemie als auch der globale wirtschaftliche Druck Bitcoin nur kurzfristig beeinträchtigen werden.
Gemäß meiner technischen Analyse hätte ich bei 10.000 USD aussteigen sollen – doch ich ließ mich von der allgemeinen Marktstimmung mitreißen und unterschätzte die Lage. Außerdem hatte ich nicht mit einem so starken Fall gerechnet – auch das war eine Fehleinschätzung.
Huang Han: Beim Bottom-Fishing kaufte ich ein Portfolio aus BTC, ETH, BCH, EOS und LTC. Meine Durchschnittskosten lagen bei etwa 7.000 USD für BTC, 38 USD für LTC und 121 USD für ETH; BCH und EOS kaufte ich zu sehr günstigen Preisen – allerdings in kleineren Stückzahlen. Aktuell reduziere ich das Portfolio schrittweise und halte nur noch BTC und ETH. Nachdem BTC die 10.000 USD-Marke überschritten hatte, war ich zunächst optimistisch. Doch nach dem Durchbruch unter 9.000 USD erkannte ich die Trendwende und sicherte meine Spot-Positionen mit Hedges ab. Meine größten Verluste entstanden zwischen 10.500 USD und 9.000 USD – sowohl im Spot- als auch im Futures-Markt. Insgesamt bin ich jedoch immer noch im Gewinn.
Kurzfristig ist der Markt extrem schwach. An dieser Stelle sind weitere Schwankungen wahrscheinlich: Der heutige Kursanstieg könnte bis zum Handelsende wieder vollständig aufgezehrt sein; morgen dürfte es erneut zu einer schwachen Gegenreaktion kommen. Da die Volatilität außergewöhnlich hoch ist und die externen Rahmenbedingungen äußerst unklar bleiben, zeigt der langfristige Trend jedoch weiter nach unten.
Laoye: Meine jüngsten Transaktionen betrafen ausschließlich Spot-Assets; in dieser Phase bin ich nicht short gegangen, da ich nicht von einem zwangsläufigen starken Absturz ausging – der Markt befand sich auf hohem Niveau und konnte sich möglicherweise noch halten.
In der Nacht zum 25. Februar bemerkte ich erste Unstimmigkeiten im Markt und verkaufte meine Bestände – und entging so dem folgenden Absturz. Später kaufte ich bei 9.020 USD „fallende Messer“ („flying knives“). In der Nacht zum 29. Februar kaufte ich BSV bei etwa 211 USD und verkaufte es später bei 248–249 USD bzw. etwas darüber. Als BTC danach über 9.050 USD stieg, spürte ich erneut Unstimmigkeiten und verkaufte prompt. Vor einigen Tagen kaufte ich zudem Spot-BTC bei 8.550 USD mit einem Stop-Loss, der gestern bei etwa 7.800 USD ausgelöst wurde.
Insgesamt erzielte ich leichte Gewinne – aber keine nennenswerten. Ursprünglich hatte ich nicht erwartet, dass sich die Marktstimmung so abrupt drehen würde; das überraschte mich völlig. Meine Entscheidungslogik ist: Es gibt niemals 100%ige Gewissheit im Markt. Sobald Unsicherheit herrscht, sollte man stets das Schlimmste vorbereiten. In dieser Phase habe ich bewusst keine Short-Positionen eröffnet – das war meine bewusste Entscheidung.
Shenlian Finance: Nach starken Kursausschlägen suchen Menschen stets nach Erklärungen. Vitalik Buterin scherzte kürzlich: „Über 95 % aller täglichen Artikel, die behaupten, ‚Ereignis X wird Kryptowährungen steigen/fallen lassen‘, sind bloße nachträgliche Rechtfertigungen.“ Dem stimme ich zu – haha! Dennoch wollen wir heute versuchen, auch für diesen jüngsten Absturz einige „nachträgliche Rechtfertigungen“ zu finden. Manche sehen die Ursache in den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, andere im notwendigen Abbau überhöhter Hebel. Was halten die Gäste für die Hauptgründe dieses anhaltenden Bitcoin-Absturzes?
Xiao Dingdang: Die Gründe für den Absturz sind meiner Ansicht nach: 1. Die „drei Halvings-Narren“ hatten ihre Erwartungen an das Halving bereits erfüllt – die sogenannten „Marktführer“ nahmen ihre Gewinne mit. Nachdem sie „zu viel gefressen“ hatten, entschieden sie sich für Sicherheit und realisierten ihre Gewinne. 2. Bei jedem massiven Ausverkauf durch die „Marktführer“ im Bereich von 11–13 USD konnten Privatanleger den Kurs jeweils wieder auffangen. Daher beschlossen die „Marktführer“, statt auf 15 USD zu steigen, direkt dort auszusteigen. Am letzten Tag des Jahres 2019 sagte ich 15 USD voraus – sobald dieser Wert erreicht war, verfolgte ich den Markt nicht weiter. 3. Gelegenheit, die ungeduldigen Bullen an den Höchstständen loszuwerden.
Zur Frage, ob dies „Auswirkungen der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten“ sei: Ich verstehe weder internationale Finanzmärkte noch Öl noch fundamentale Zusammenhänge – ich bin Softwareentwickler. Zu wirtschaftlichen Prinzipien und Makroökonomie wage ich keine Aussagen. Mein Kryptohandel basiert allein auf Selbstvertrauen, Bauchgefühl und disziplinierter Dokumentation meiner Trades. Bei jeder Order stelle ich mir vor, dass sie gestoppt werden könnte – mein zentraler Entscheidungsfaktor ist daher: Wie kann ich möglichst „schmerzfrei“ verlieren?
Andy: Für Auf- und Abwärtstrends gibt es nicht so viele komplizierte Gründe – die meisten Erklärungen sind lediglich Selbstberuhigung. Meine Zusammenfassung lautet:
Für Trader, deren Entscheidungen primär auf technischer Analyse beruhen, resultieren Kursbewegungen an Kapital- oder Derivatemärkten stets aus Kapitalzuflüssen oder Gewinnmitnahmen. Alle Preisbewegungen spiegeln sich unmittelbar im Chart wider – doch Menschen suchen stets nach Gründen, um ihre eigene Logik zu untermauern. Kapital ist stets gewinnorientiert; sämtliche Gründe oder Nachrichten dienen letztlich nur dem Chart. Der Derivatemarkt wird zudem von einer „unsichtbaren Hand“ gesteuert – bei großen Vermögenswerten wie Gold könnte es sich dabei um eine Gruppe von Marktteilnehmern oder institutionellen Investoren handeln; bei kleineren Vermögenswerten könnten dahinter sogar nur eine oder wenige Personen stehen – etwa bei betrügerischen „Ponzi-Coin“-Projekten. Kurzfristige Nachrichten oder Risikoereignisse beeinflussen lediglich die kurzfristige Marktentwicklung. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Preisentwicklung – und darin, ob Sie Ihre Strategie konsequent umsetzen können.
Huang Han: Der Kursrückgang zeigte tatsächlich Vorzeichen: Erstens gab es am Markt kaum noch heiße Themen oder klare Chancen – es war, als wären wir in eine „Todesspirale“ geraten. Zweitens war die Aufwärtsdynamik extrem schwach: Für einen Punkt nach oben brauchte es eine Ewigkeit. Die Abwärtsbewegung hingegen war heftig – drei Punkte Verlust konnten in Sekunden passieren.
Aus technischer Sicht ist die Erholung von 1399 auf 10050 bereits abgeschlossen – es handelte sich um eine klassische Überverkauft-Rally. Zudem ist Bitcoin mit einer Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden US-Dollar zweifellos eine bedeutende Assetklasse. Bei einem derartigen Einbruch an den Aktien- und Rohstoffmärkten bleibt auch Bitcoin nicht verschont.
Lao Ye („Großvater“): Meiner Meinung nach gibt es nur einen Grund: Alle denken nur aus der Long-Perspektive. Für Short-Positionen oder das Ausspielen von Beständen ist dies jedoch ein idealer Moment.
Schon vor Tagen war klar, dass der Widerstand bei 9400 nicht durchbrochen wurde – das Risiko war also keineswegs gebannt. Die meisten Marktteilnehmer gingen weiter von einem fortgesetzten Bullenmarkt aus. Doch der Markt akzeptierte diese Annahme nicht und brach plötzlich unter 8000 ein – viel stärker, als viele erwartet hatten.
Der Hauptgrund liegt meines Erachtens in der Gegenpartei sowie in den enormen Gewinnen der Long-Positionen. Ist dieses Ziel erreicht, sucht sich der Kurs den Weg des geringsten Widerstands – doch die Mehrheit will das nicht wahrhaben. Genau so ist es auch jetzt: Sind nicht immer noch viele Marktteilnehmer bullisch eingestellt? Ihre Begründung ist simpel: „Ich halte Coins.“ Das war's.
Ich kann meine These weder beweisen noch widerlegen – der einzige Beweis ist die Zeit. Also hört auf, ständig nach Gründen zu suchen, und handelt entschlossen: Handelt, wenn es nötig ist, und zieht euch zurück, wenn es angebracht ist. Entwickelt keine emotionale Bindung zum Markt.
Shenlian Finance: Viele hatten hohe Erwartungen an den Marktverlauf in diesem Jahr: Sie glaubten, das Bitcoin-Halving sei ein positiver Faktor und werde den Preis auf ein neues Niveau heben. Doch aktuell notiert Bitcoin bei rund 8000 US-Dollar, und innerhalb eines Monats wurden im Futures-Markt Long-Positionen im Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar liquidiert. Wie bewerten die Gäste den künftigen Markttrend? Ist der Halving-Effekt nur eine Illusion – oder befinden wir uns in der dunkelsten Stunde vor der Morgendämmerung? Wird es wirklich noch eine große Rally geben?
Xiao Dingdang: 1. Solange BTC sich zwischen 7700 und 8300 US-Dollar seitwärts bewegt und anschließend noch einmal um 800–1200 US-Dollar fällt, bevor er sich wieder konsolidiert, könnten die „drei Dummköpfe“ (gemeint sind Altcoins) auf ihr Ausgangsniveau vom Jahresanfang zurückfallen. Damit wäre die Basis für einen Bullenmarkt gelegt. „Solange Altcoins nicht sterben, wird der Bullenmarkt nicht beginnen.“
2. Der gesamte BTC-Markt ist klein, und die Coins sind in wenigen Händen konzentriert. Solange keine Großinvestoren einsteigen, kann niemand diese Positionen unter Druck setzen – egal, wie kompliziert der Weg auch sein mag. Am Ende bleibt genug Spielraum für steigende Kurse. Erst wenn wirklich große Kapitalströme kommen und diese Großinvestoren ihre Bestände an neue institutionelle Anleger abgeben, würde ich von einem Bärenmarkt sprechen.
Derzeit findet ein Kapitalwettbewerb statt, aber die Zuflüsse sind insgesamt gering – daher braucht es einen „Aderlass“, um einen Bullenmarkt zu entfachen. Eine große Rally steht also noch aus. Als eingefleischter Long-Investor ist es mir völlig egal, ein bis drei Jahre zu warten – solange ich nur wenig verliere, gewinne ich am Ende trotzdem.
Wurden Long-Positionen einseitig abgeschlachtet – und wird das auch so weitergehen? Hier die Antwort: Nehmen wir als Beispiel den Fall von 6000 auf 3000 US-Dollar.
Phase 1: Von 6000 auf 5000 US-Dollar – Die meisten Long-Investoren sagen: „Kein Problem, wir holen das später wieder raus.“
Phase 2: Von 5500 auf 4200 US-Dollar – Die verbliebenen Long-Investoren jubeln: „Meine Geduld hat sich ausgezahlt – das ist der absolute Tiefpunkt!“
Phase 3: Von 4200 auf 3100 US-Dollar – Die übrig gebliebenen Long-Investoren fluchen: „MMP!“
Phase 4: Seitwärtsbewegung zwischen 3300 und 4200 US-Dollar – Wer jetzt Long geht, ist einfach nur dumm!
Meiner Einschätzung nach befinden wir uns aktuell in Phase 2. Noch ein Hinweis: Beobachtet genau – BTC wird immer in drei großen Abwärtsschritten verkauft. Dieses Muster ist so simpel – und die menschliche Psyche lässt sich so leicht brechen.
Andy: „Reinigung tut gut“ – die jüngste Rally scheint im Nachhinein nur eine Generalprobe für einen kommenden Mega-Bullenmarkt gewesen zu sein, auch wenn die Korrektur etwas heftig ausfiel. Nach einer Stabilisierung geht es wieder nach oben. Zusammenfassend:
Als Teilnehmer dieser Branche bin ich überzeugt, dass die Zukunft dieser Industrie positiv ist – und damit auch der langfristige Markttrend. Kurzfristige Schwankungen und Korrekturen sind normales Marktverhalten. Allerdings werden die Marktteilnehmer zunehmend ungeduldiger: Gewinne werden sofort realisiert, was zu einer schwachen Nachfrage führt und somit zu einem stärkeren Kursrückgang als erwartet. Das liegt auch daran, dass der Markt noch relativ klein ist und außerbörsliches Kapital noch nicht massiv eingeströmt ist. Das Halving ist nur ein Faktor unter vielen – für eine starke Rally sind weitere Voraussetzungen nötig. Dennoch glaube ich fest daran, dass nach Abschluss dieser Korrektur wieder eine Aufwärtsbewegung folgt. Die Zukunft hängt jedoch von unserer gemeinsamen Arbeit und vom wachsenden Konsens ab.
Sobald sich die Marktstimmung beruhigt hat, werden wieder neue Long-Positionen aufgebaut – dieser Markt fällt nicht ewig und steigt auch nicht ewig.
Huang Han: Das Bitcoin-Halving ist tatsächlich ein positiver Faktor.
Meiner Ansicht nach wirkt sich das Halving auf zwei Weisen aus: Erstens führt es bei unveränderter Nachfrage zu einer Verknappung des Angebots – was typischerweise zu höheren Preisen führt. Allerdings ist die bereits im Umlauf befindliche Menge mittlerweile deutlich größer als die noch nicht geschürften Coins. Mit zunehmendem Verhältnis von Umlaufmenge zu nicht geschürften Coins nimmt der Einfluss der Angebotsseite auf den BTC-Preis kontinuierlich ab.
Zweitens beeinflusst das Halving die Marktpsychologie. Historisch gesehen führten alle bisherigen Halvings zu Kursanstiegen. Investoren und Miner, die bereits früher von Halving-bedingten Gewinnen profitierten, glauben daher weiter fest daran, dass jedes Halving zwangsläufig zu einem BTC-Anstieg führt – das ist der berühmte Pawlow-Effekt. Laut einem Research-Artikel von CoinDesk steigt kurz vor einem Halving die Kaufbereitschaft der Investoren, während Miner tendenziell ihre Coins horten – allgemein herrscht „Verkaufsscheu“.
Allerdings ist es schwer, historische Bullenmärkte direkt mit dem Halving in Verbindung zu bringen. Frühere Märkte besaßen nämlich zahlreiche strukturelle Vorteile: So gab es beispielsweise noch einen „Bevölkerungsbonus“ – also eine geringe Zahl von Bitcoin-Investoren – und die Marktkapitalisierung war damals noch sehr klein. Zudem trug die globale Finanzkrise von 2008 zur Schwächung des Vertrauens in zentralisierte, staatliche Währungen bei.
Gemäß den Gesetzen der Marktwirtschaft erhöhen Händler ihre Preise besonders dann, wenn die Nachfrage stark ist und ein signifikantes Angebotsdefizit besteht – denn in solchen Phasen reagieren Kunden am wenigsten empfindlich auf Preiserhöhungen, sodass der Absatz nicht leidet. Betrachten wir die historischen Daten zu BTC-Marktkapitalisierung, Handelsvolumen und aktiven Adressen auf der Blockchain, so sehen wir für die Perioden 2008–2012 (erstes Halving) und 2012–2016 (zweites Halving) jeweils massive Wachstumsraten. Das zeigt, dass die Nachfrage nach Bitcoin in den vergangenen acht Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Die beiden Halvings fanden 2012 bzw. 2016 statt – und das starke Nachfragewachstum überkompensierte dabei vollständig jegliche negativen Auswirkungen durch die Preisanstiege. Daher neige ich persönlich dazu, die früheren Bullenmärkte primär auf Nachfragefaktoren zurückzuführen.
Dieser positive Effekt ist jedoch begrenzt – ja, er ist sogar bereits weitgehend eingepreist. Ich stimme der Auffassung zu, dass der Kryptomarkt im Kern ein „Chip-Spiel“ ist.
Beim aktuellen BTC-Kurs liegt die durchschnittliche Einstiegskostenposition des Marktes bei über 6500 US-Dollar. Viele glauben daher, dass die „Big Player“ nicht gegen ihre eigenen Interessen handeln würden. In Wirklichkeit ist das jedoch anders: Der Derivatemarkt weist ein immenses Handelsvolumen und extrem hohe Hebel auf – Gewinne oder Verluste im Spot-Markt spielen für die Großinvestoren daher kaum eine Rolle. Ich sehe die Übergabe von Coins von Großinvestoren an Kleinanleger als zentralen Mechanismus für den Wechsel zwischen Bullen- und Bärenphasen.
Solange der Wertekonsens rund um Bitcoin intakt bleibt, können die „Marktmacher“ dieses Chip-Spiel weiterführen. Ein Bärenmarkt ist im Grunde ein Prozess, bei dem Coins von Großinvestoren wieder an Kleinanleger zurückfließen. Ich halte die aktuelle Schwäche für eine mittel- bis langfristige Realität – selbst ohne einen weiteren massiven Absturz wird der Markt euch einfach so lange „schleifen“, bis ihr es nicht mehr aushaltet.
Sowohl technisch als auch stimmungsmäßig spricht kaum etwas für eine kurzfristige Stärkung.
Lao Ye („Großvater“): Grundsätzlich sollte man beim Trading stets zwei gegensätzliche Strategien im Kopf haben – man muss die eigene Meinung permanent hinterfragen. Daher setze ich normalerweise keine festen Erwartungen für die zukünftige Marktentwicklung. Stattdessen entwickle ich für die Fernperspektive mehrere Szenarien, die dann durch die tatsächliche Kursentwicklung bestätigt oder widerlegt werden müssen.
Aktuell halte ich eine längere seitwärts gerichtete Konsolidierung auf Tagesbasis für notwendig. Ohne diese wäre jeder Aufwärtstrend lediglich eine technische Erholung. Wir befinden uns momentan an der unteren Grenze eines Dreiecks – gelingt es dem Kurs, sich dort zu stabilisieren und zu konsolidieren, könnte eine starke Rally folgen.
Falls jedoch die Untergrenze durchbrochen wird, sollten wir alle Illusionen fallen lassen. Erinnern wir uns an Oktober 2018: Als BTC auf 6000 US-Dollar fiel, glaubten viele ebenfalls, der Bullenmarkt kehre zurück.
Langfristig bin ich sicher, dass Long-Positionen am meisten Gewinn abwerfen – doch die entscheidende Frage lautet: „Wann ist der richtige Zeitpunkt für Long?“ Wer 2018 bei 6500 US-Dollar gekauft hat, sah zwar 2019 einen Anstieg auf 13000 US-Dollar – doch ob er diese Position bis dahin gehalten hat, ist fraglich. Daher gilt: Konzentriere dich auf das, was du gerade tun kannst, und skizziere langsam dein Fernziel.
Ich träume normalerweise nicht – denn Träume fühlen sich gut an, doch sobald man erwacht, fühlt man sich nur umso schlechter. Wer emotional in den Markt einsteigt, wird zwangsläufig auch emotional wieder austreten. Um ehrlich zu sein: Solange die Mehrheit noch vom „Halving-Bullenmarkt“ träumt, wird dieser wohl kaum eintreten. Auch 2018 befand sich BTC in einem Dreiecksmuster. Diese Zone könnte sich wiederholen – doch wenn sie nicht „sauber“ ist, frage ich mich: Warum sollte ich dann überhaupt einen Aufwärtstrend initiieren, um allen anderen aus der Misere zu helfen? Deshalb rate ich: Bleibt ruhig, denkt nach – ist es einfacher, nach oben oder nach unten zu gehen? Und fragt euch: Halten eure Bekannten ihre Positionen noch immer?
BroadChain: „Gib einem Menschen einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre ihn zu fischen, und du ernährst ihn für sein Leben.“ Jeder Investor hat seine eigene Herangehensweise, wenn es um die Analyse und Bewertung von Marktbewegungen geht: Die einen verlassen sich ausschließlich auf technische Analyse, andere setzen auf Fundamentaldaten und Nachrichten für langfristige Positionen, wieder andere legen besonderen Wert auf Kennzahlen wie das Long/Short-Verhältnis oder das Open Interest. Welche Methoden wenden unsere Gäste bei ihrer Marktanalyse an? Auf welche Indikatoren achten sie besonders? Könnt ihr uns einige eurer persönlichen Tipps verraten?
Xiao Dingdang: 1. „Alles andere ist zweitrangig – nur das Gefühl eines ‚Kohlbauern‘ zählt.“ Dieses „Kohlbauer-Gefühl“ ist der einzige Garant für Erfolg. Wer auf die Meinungen oder Analysen sogenannter „Experten“ hört, wird nie zum echten „Kohlbauern“. Ein wahrer „Kohlbauer“ ist ein selbstbewusster, disziplinierter Trader, der ausschließlich auf seine eigene Einschätzung vertraut und diese ständig überprüft. 2. Aufbauend auf diesem „Kohlbauer-Gefühl“ analysiere ich reine Kerzencharts („naked K“). Das Prinzip ist einfach: Man identifiziert lediglich Widerstands- und Unterstützungsniveaus anhand der Kerzenformationen. 3. Das Long/Short-Verhältnis ignoriere ich weitgehend. Es eignet sich weder zur Trendvorhersage noch für kurzfristiges Trading – sein Nutzen ist äußerst begrenzt.
Warum? Ein Beispiel: Als sich der BTC-Kurs seitwärts zwischen 6.500 und 7.700 US-Dollar bewegte, lag das Long/Short-Verhältnis bei 0,8–1,3. Nach dem Ausbruch über 7.700 US-Dollar stieg der Kurs auf 10.500 US-Dollar, während das Verhältnis auf über 2,x kletterte. Wer bei einem Verhältnis von 1,3 short ging, hatte verloren. In den Finanzmärkten gilt: Ein einzelner Indikator wirkt nur unter ganz spezifischen Marktbedingungen – das sollte man nie vergessen.
Einen Indikator, den ich regelmäßig prüfe, findet man tief versteckt in der Plattform „Contract Emperor“ – kaum jemand nutzt ihn, und OKBigData hat ihn sogar aus seinen Statistiken entfernt.
Der „OKEx Elite Long/Short Position Ratio“ zeigt die tatsächliche Hebelwirkung der Top-100 Long- und Short-Positionen an. Ein Beispiel: Steigt die durchschnittliche Hebelwirkung der Long-Positionen über 32 %, während die der Short-Positionen unter 17 % fällt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Short-Einstieg sehr hoch.
Andy: Tatsächlich sind Daten im Kryptomarkt noch nicht ausgereift, da sie extrem fragmentiert vorliegen. Nur Hochfrequenz- und Quantitative Trader benötigen spezifische Datensätze. Für Low-Frequency- oder Swing-Trading halte ich solche Daten für wenig relevant.
Ich orientiere mich in erster Linie an der technischen Analyse. Dafür reichen wenige Standardindikatoren völlig aus: Candlesticks, gleitende Durchschnitte, Bollinger Bands sowie eine einfache Linienzeichnung. Ergänzend berücksichtige ich fundamentale Zeitzyklen und die Marktstimmung – letztere wird durch den „Fear & Greed Index“ (FGI) quantifiziert. Letztlich entscheidend sind jedoch die Disziplin und psychische Stabilität des Traders. Detailliertere Erläuterungen spare ich mir hier – Interessierte können bei meinem Assistenten im Gruppenchat Unterlagen anfordern. Er heißt „Andy’s Assistant“ und befindet sich ebenfalls in der Gruppe. Bitte gebt als Hinweis an: „Nur für Personen, die mich nicht übertreffen – ha! Wer wie der Kollege eben offensichtlich besser ist, soll sich bitte nicht melden.“
Alle Daten zu Kapitalzuflüssen und -abflüssen spiegeln bereits abgeschlossene Ereignisse wider – daher ist der aktuelle Chart immer die schnellste Informationsquelle für Handelsentscheidungen.
Huang Han: Ich analysiere eine Vielzahl von Kennzahlen: Long/Short-Verhältnis, Open Interest, On-Chain-Transaktionsvolumen, Handelsvolumen, gleitende Durchschnitte usw. Jeder Indikator wird stets im Zusammenhang mit anderen bewertet. Das Long/Short-Verhältnis beispielsweise ist nur dann aussagekräftig, wenn man es gemeinsam mit dem Open Interest betrachtet. Bei sehr niedrigem Open Interest verliert das Long/Short-Verhältnis jede Aussagekraft – schließlich bewegen sich dann nur wenige Positionen im Markt, und Market Maker richten ihre Strategien nicht nach einer Handvoll Einzelhändlern aus.
Die praktische Anwendung dieser Indikatoren ist äußerst vielfältig – das lässt sich nicht in wenigen Sätzen erschöpfend darlegen. Wichtig ist: Nur durch praktisches Trading und eigenständiges Nachdenken gewinnt man tiefe Erkenntnisse.
Lao Ye („Großvater“): Viele suchen nach einer universellen „Wunderwaffe“ oder nach simplen Einstiegsregeln. Technische Analyse besteht eigentlich nur aus wenigen Grundbausteinen – selbst ein Grundschulabsolvent kann sie verstehen. Dennoch gibt es kaum jemanden, der damit im Markt enorme Gewinne erzielt.
Auch ich war am Anfang so. Später wurde mir klar: Es reicht meistens aus – denn jede technische Methode klassifiziert den Markt lediglich nach bestimmten Mustern; im Grunde unterscheiden sie sich kaum voneinander.
Heute bin ich überzeugt: Unabhängig von der verwendeten Methode bleibt Trading letztlich ein Glücksspiel. Ob technische Analyse oder andere Ansätze – sie liefern lediglich rationale Begründungen, um mit mehr Selbstvertrauen zu wetten.
Ich bevorzuge die technische Analyse – doch auch sie hat systematische Schwächen. Da der Markt prinzipiell unvorhersehbar ist, lautet mein persönlicher Ansatz: Setze nur, wenn du eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit und ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis siehst – und platziere dabei relativ kleine Stop-Loss-Positionen, um potenziell große Gewinne innerhalb deines Prognosehorizonts zu realisieren.
Jede technische Methode ist nur innerhalb ihres jeweiligen Zeitrahmens gültig. Zudem halte ich es für sinnvoller, nicht nach Erfolgsrezepten zu suchen, sondern darüber nachzudenken, wie man eigene Fehler vermeidet. Ein gut durchdachtes, eigenes Trading-System ist daher das Wichtigste. Weniger Fehler zu machen bringt einen der Erfolgsstrategie näher – denn selbst bei vielen Gewinnen reichen ein paar grobe Fehler aus, um alles zu verlieren.
Wenn ich doch noch einen technischen Tipp nennen soll: MACD ist völlig ausreichend – verwende aber möglichst größere Zeiteinheiten (z. B. Tages- oder Wochenchart), nicht den 5-Minuten-Chart. Handle kleinere Positionen auf Basis größerer Zeitrahmen – das erhöht dein Sicherheitsgefühl deutlich. Mehr gibt es an technischer Analyse nicht zu lernen. Danach kommt es allein auf deine praktische Erfahrung und Intuition an.
Kurz gesagt: Finde zunächst deine eigene Gewissheit. Wenn du mit technischer Analyse arbeitest, verdiene damit auch Geld – verzichte darauf, zusätzlich noch andere Ansätze zu verfolgen, und berechne einfach deine Erfolgsquote pro Trade.
BroadChain: Im Trading heißt es oft: „Der Markt hat immer recht.“ Viele Anleger erwarten steigende Kurse – doch der Markt widerspricht ihnen häufig. Einige passen ihre Strategie nicht rechtzeitig an und halten trotz Verlusten hartnäckig an ihren Positionen fest, bis sie schließlich liquidiert werden. Wie sollten Gewinne gesichert und Verluste gestoppt werden? Wie lässt sich die Strategie zeitnah anpassen? Welches Verhältnis zwischen Spot- und Futures-Investitionen empfehlt ihr? Welche Ratschläge haben unsere Gäste für Privatanleger? Xiao Dingdang, was rätst du hierzu?
Xiao Dingdang: 1. Eine Position ohne vorher festgelegten Stop-Loss zu eröffnen, ist wie ungeschützter Geschlechtsverkehr für einen Junggesellen – die Risiken liegen auf der Hand. Gewinnmitnahmen (Take-Profit) hingegen sind oft reine Glückssache. 2. Wie passt man seine Strategie rechtzeitig an? Antwort: Durch ausreichend viele Trades – denn „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum“ (Goethe). 3. Wie sollte das Verhältnis zwischen Spot- und Futures-Investitionen aussehen? Meine Empfehlung: 90 % Spot, 10 % Futures – plus einige ergänzende Hinweise. 4. Ich habe ein Phänomen beobachtet: 80 % der Privatanleger nutzen zwar mehrere Börsenkonten, verfügen aber faktisch nur über ein einziges „Konto“, da sie mal Futures traden, mal Altcoins „farmen“, Gerüchten folgen oder sich weiterbilden. Steigt der Gesamtmarkt, wissen sie nicht, ob sie insgesamt im Plus oder Minus sind. Fällt er, wissen sie es ebenfalls nicht.
Eine Kerngrundlage der Blockchain ist das dezentrale Hauptbuch – doch wenn du nicht einmal deine eigene Buchhaltung im Griff hast, wie willst du dann an einer Revolution teilnehmen? Zunächst musst du daher vollständige Transparenz über dein eigenes Vermögen erlangen. Hier bietet sich beispielsweise „Contract Emperor“ an: Gewinne und Verluste werden klar und nachvollziehbar dokumentiert. Zweitens: Trenne deine Konten strikt – „ein Konto für alles“ ist tabu.
Grundsätzlich solltest du vier separate Konten führen: Futures (Langfristig), Futures (Kurzfristig), Spot (Langfristig), Spot (Kurzfristig). Niemals vermischen! Mit mehreren Konten verpasst du bei steigenden Märkten weniger Chancen, und bei fallenden Märkten minimierst du deine Verluste.
Andy: Futures-Handel ist tatsächlich nicht für jeden geeignet – er gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Trading.
Spot-Handel ist dagegen sicherer, da es keine Liquidationen gibt – vorausgesetzt, du managst dein Risiko vernünftig und handelst niemals mit voller Position. Spot-Handel ist somit relativ einfach: Hier genügt es meist, klare Take-Profit-Ziele zu definieren. Bei guter Positionsgröße brauchst du bei reinem Richtungshandel (Long oder Short) keinen Stop-Loss. Bei Futures hingegen ist die strikte Einhaltung von Stop-Loss- und Take-Profit-Regeln zwingend notwendig. Da Futures-Handel Fachwissen erfordert, rate ich davon ab, unerfahrene Trader direkt einzuladen. Wer dennoch einsteigen möchte, sollte zunächst die Grundlagen erlernen. Was das Verhältnis Spot zu Futures angeht, empfehle ich 70 % Spot zu 30 % Futures. Dabei investiere ich ausschließlich in BTC, HT und HPT – sonst nichts. Die 30 % Futures-Quote nutze ich persönlich, empfehle sie aber nicht aktiv weiter.
Ein weiterer Hinweis: Dieses Jahr ist das „Jahr des Futures-Krieges“. Futures-Börsen wachsen rasant und nutzen allerlei aggressive Akquisitionsstrategien, um neue Kunden zu gewinnen. Sei daher äußerst vorsichtig, wenn dich jemand aktiv zum Futures-Handel auffordert. Viele neu gegründete Futures-Börsen bieten noch immer unfaire Bedingungen.
Huang Han: Stop-Loss-Setzungen sind unbedingt erforderlich – doch wie sie konkret aussehen, hängt stark vom Einzelnen ab. Manche orientieren sich an technischen Unterstützungs-/Widerstandsniveaus, andere an ihrer individuellen Risikotoleranz. Auch zwischen Lang- und Kurzfrist-Strategien unterscheiden sich die Stop-Loss-Ansätze: Trend-Trader akzeptieren größere Rückgänge, während Short-Term-Trader deutlich kleinere Korrekturen tolerieren.
Meine Empfehlung für das Spot-zu-Futures-Verhältnis lautet 7:3. Allerdings passe ich dieses Verhältnis dynamisch an: Bei hoher Marktklarheit erhöhe ich meinen Hebelanteil – also den Futures-Anteil. Ist die Marktlage schwer einschätzbar, reduziere ich Futures auf reine Hedging-Positionen – also auf ein Verhältnis von 9:1.
Lao Ye („Großvater“): 1. Es gibt keine perfekte Lösung. In einem Bullenmarkt verpasst du nach einer Gewinnmitnahme möglicherweise weitere Kursgewinne; in einem Bärenmarkt vermeidest du durch frühzeitiges Stop-Loss hingegen schwere Verluste. Entscheidend ist daher allein dein individueller Handelszeitrahmen.
Nehmen wir an, Sie handeln auf einem 30-Minuten-Chart. Wenn alle Signale negativ sind und Sie trotzdem nicht aussteigen, führt das zu Verlusten – und das liegt einzig an Ihrer mangelnden Handelsdisziplin. Den Stop-Loss legt man fest, bevor man den Trade platziert: Bevor Sie „setzen“, sollten Sie genau wissen, wie hoch Ihr Einsatz ist und wie viel Sie maximal verlieren wollen, falls es schiefgeht. Der Take-Profit ergibt sich dagegen aus Ihrer eigenen Entscheidung: Sobald Sie in Ihrem gewählten Zeitrahmen denken „Jetzt ist genug“, ist das Ihr Take-Profit.
Daher müssen Sie zuerst Ihre eigene Handelsstrategie und Ihren Haltezeitraum definieren – erst dann kommen Take-Profit und Stop-Loss. Ein weiterer wichtiger Punkt: Entwickelt sich der Markt in Ihre Richtung, versuchen Sie, Ihren Zeitrahmen anzupassen – der Markt könnte noch eine Überraschung parat haben.
2. Zur Strategieanpassung gehört, dass Sie nicht nur die positiven Seiten sehen. Tritt beispielsweise eine Entwicklung ein, die Ihren Erwartungen widerspricht, sollten Sie sofort überlegen, wie Sie die Position schließen. Gemeint ist Ihr individueller Zeitrahmen: Handeln Sie etwa auf Tagescharts und fällt der Kurs unter die 10-Tage-Linie, sollten Sie ernsthaft prüfen, ob ein größeres Problem vorliegt. Das heißt aber nicht, dass sich bei jeder Bewegung im 5-Minuten-Chart alles ändert. Viele Trader erschrecken sich selbst – sie handeln nach dem Tageschart, lassen sich aber von kleinsten intraday-Schwankungen verunsichern und steigen vorzeitig aus.
3. Bei einem starken Trend lohnt es sich, neben dem Spot-Bestand auch Futures-Positionen einzugehen. Ein typisches Verhältnis wäre etwa 80 % Spot plus eine Hebelwirkung von rund 1× – für die meisten Trader reicht das aus. Bei kleineren Marktbewegungen – wie derzeit – halte ich es nicht für sinnvoll, einen Großteil des Kapitals darauf zu setzen, dass der Markt zwangsläufig steigt. Die Positionsgröße hängt vielmehr von Ihrer Einschätzung des aktuellen Trends ab. Falls ein konkretes Verhältnis gewünscht ist: Ein Spot-zu-Futures-Verhältnis von 8:2 ist empfehlenswert.
4. Mein Rat: Überlegen Sie sich vorher, wie viel Sie maximal verlieren wollen, falls Ihre Entscheidung falsch ist – anstatt sich zunächst auszumalen, wie viel Gewinn möglich wäre. Denn Gewinn und Verlust haben dieselbe Quelle.
Geduld ist ebenfalls wichtig: Warten Sie auf die richtige Gelegenheit – auf die Chance, auf die Sie am meisten setzen. Vermeiden Sie häufige Transaktionen und die Illusion, täglich Gewinne machen zu müssen. Wer wirklich jeden Tag Geld verdienen will, sollte besser auf eine Baustelle gehen oder Flyer verteilen – dort wird tatsächlich täglich abgerechnet.
